Jahrgangsübergreifendes Lernen : Fast 70 Schulen dürfen JüL abschaffen

Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) bewilligt 67 Anträge von Grundschulen, die ohne Jahrgangsübergreifendes Lernen unterrichten möchten. Seit der Einführung haben immer wieder Schulen protestiert.

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Kunstunterricht in der Grundschule. 67 Anträge von Schulen, die ohne JüL unterrichten möchten, wurden jetzt bewilligt.
Kunstunterricht in der Grundschule. 67 Anträge von Schulen, die ohne JüL unterrichten möchten, wurden jetzt bewilligt.Foto: dpa

Kurz vor dem Ende seiner Amtszeit hat Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) den Grundschulen noch ein besonderes Geschenk gemacht und den Konflikt um das Jahrgangsübergreifende Lernen (JüL) entschärft: 67 Anträge von Schulen, die ohne JüL unterrichten möchten, wurden jetzt bewilligt. Vier Genehmigungen stehen noch aus, sieben Schulen haben entsprechende Anträge zwar „avisiert“, aber nicht eingereicht, teilte die Bildungsverwaltung am Dienstag auf Anfrage mit.

Die Schulen mussten darlegen, wie sie auch ohne JüL für einen Austausch in der Schulanfangsphase sorgen wollen. So wird die Neuköllner Hermann-Sander-Schule aus jeweils einer ersten und einer zweiten Klasse „Klassenteams“ bilden. „Die Klassenlehrer sollen auch in der jeweils anderen Klasse unterrichten“, erläutert Schulleiterin Rita Templiner. Die Neuköllner Sonnen-Grundschule will zumindest Chor, Musik und Kunst jahrgangsübergreifend unterrichten. Rektorin Renate Lauzemis lobt, die Abstimmung der Konzepte mit der Bildungsverwaltung habe gut geklappt.

Eine Schule kann auch beides anbieten. So berichtet Thomas Emrich von der Pankower Jean-Barez-Schule, dass es bei ihm neben dem herkömmlichen jahrgangsbezogenen Lernen (JabL) auch weiterhin JüL-Klassen geben werde – je nach Wunsch der Eltern und Lehrer.

JüL war 2005 per Gesetz unter Zöllners Vorgänger verpflichtend festgeschrieben worden. Wegen der Gegenwehr bekamen viele Schulen immer wieder Aufschub. Zuletzt hatten es aber 350 der 380 öffentlichen Schulen eingeführt. Im Rahmen seines Qualitätspakets hatte Zöllner in der Koalition durchgesetzt, dass die JüL-Verpflichtung gelockert wurde. Ob sie ganz aus dem Gesetz verschwindet, hängt von den Koalitionsverhandlungen ab: Die CDU hatte gegen den „JüL-Zwang“ Wahlkampf gemacht. sve

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