Berlin : Jahrtausendwechsel: Ganz entspannt ins neue Jahr

Cay Dobberke,Matthias Oloew

Im November vor einem Jahr kannte Berlin nur ein Thema: Silvester! Fieberhaft wurde nach dem letzten Hotelbett, nach der letzten Karte für eine der grandiosen Jahrhundert-Partys gesucht. Und heute? Von einer Feier-Euphorie zum Jahreswechsel ist Berlin weit entfernt. Dabei wird, rein rechnerisch, das neue Jahrtausend erst jetzt begrüßt. Aber die zentrale Feiermeile in der City wird viel kleiner sein als im vergangenen Jahr, und Galas oder Partys, die vor einem Jahr eine neue Feiertradition begründen sollten, finden in kleinerem Rahmen statt - oder gar nicht mehr.

Ganz gestrichen sind die Silvesteraktivitäten zum Beispiel beim Konzertveranstalter concert concept von Peter Schwenkow. Zum Jahreswechsel 1999/2000 hatte er das ICC gemietet und zusammen mit dem ZDF eine Gala organisiert. "Silvester vor einem Jahr war eine absolute Ausnahme", sagt Schwenkows Sprecherin Rosemarie Dittert, "wir sind kein Silvester-Veranstalter." Schwenkow hatte sich das ICC bereits 1989 gesichert. Das mache nach Ditters Angaben die Einmaligkeit der Aktion deutlich. Eine Neuauflage der Gala wäre auch dann nicht in Frage gekommen, so Dittert, wenn die Gala ein Erfolg gewesen wäre. Ins ICC waren weniger Gäste gekommen als erwartet.

Anfang dieses Jahres hatte sich das noch ganz anders angehört. Willy Kausch, Organisator der Feiermeile Unter den Linden, rechnete mit durchschnittlich einer Million Gäste zu den Silvesterfeiern. Davon ist keine Rede mehr. Die Werber der Berlin-Tourismus-Marketing (BTM), die einen Überblick über 90 Prozent der Hotelbetten haben, können noch keine Angaben zur Auslastung zum Jahreswechsel machen. Eine Umfrage in den Partner-Hotels werde es vermutlich auch gar nicht geben, so eine Sprecherin - das Interesse sei zu gering.

Galas, Feste, Konzerte

Gefragt sind nach wie vor die Klassiker. Zum Beispiel das Silvesterkonzert der Philharmoniker, die unter der Leitung von Claudio Abbado ein Verdi-Programm einstudieren. Die Karten kosten zwischen 30 und 200 Mark, der Vorverkauf beginnt am 19. November. Auch die Silvestergala in der Staatsoper findet wieder statt, inklusive Konzert der Staatskapelle unter der Leitung von Daniel Barenboim und anschließendem Tanz.

Rund um das wegen Sanierungsarbeiten verhüllte Brandenburger Tor ist eine Party geplant, allerdings ohne Stände auf dem Pariser Platz. Das Festprogramm mit Feuerwerk um Mitternacht läuft auf der Straße des 17. Juni. Im Vorjahr hatten zwei Millionen Menschen zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor gefeiert. Außerdem lädt die Staatsoper Unter den Linden zur Silvestergala ein. Nach dem Konzert der Staatskapelle unter Daniel Barenboim gibt es ein Vier-Gänge-Souper, ein Gala-Buffet und schließlich einen Ball. Konzertkarten kosten 30 oder 70 Mark, in der besten Preiskategorie 620 Mark.

Mit La Paloma auf den Wannsee

Für 145 Mark kann man den Silvesterball im Palais am Funkturm besuchen, der um 20 Uhr beginnt. Das Schiff "La Paloma" läuft derweil zu einem Ball auf dem Wannsee aus. Im Urania-Theater findet eine "Travestie-Silvester-Gala" statt. Bälle oder mehrgängige Gala-Menüs mit musikalischer Untermalung gibt es zudem in einigen Hotels - unter anderem im Hotel Berlin am Lützowplatz, im Grand Hotel Esplanade, im Grand Hyatt Hotel am Potsdamer Platz, im Hotel Palace am Europa-Center, im Hotel Intercontinental, im Steigenberger Hotel am Los-Angeles-Platz, im Hotel Unter den Linden, im Forum-Hotel und im Festivalcenter des Neuköllner Hotels Estrel.

Zur Reihe der Silvesterkonzerte zählen neben den Auftritten des Philharmonischen Orchesters (17.15 Uhr) und der Symphoniker (15.30 und 19 Uhr, alle Philharmonie) das Festival Orchestra Berlin in der Schöneberger Apostel-Paulus-Kirche. Sportbegeisterte können beim Silvesterlauf des SCC, auch "Pfannkuchenlauf" genannt, um 12.30 Uhr am Mommsenstadion starten - oder am nächsten Tag um 12 Uhr beim SCC-Neujahrslauf am Brandenburger Tor.

Die Hotels melden: Zimmer frei

Die Belegung der Hotels entwickelt sich schleppender als im Vorjahr, als viele Häuser ausgebucht waren. "Wir haben fast alle Zimmer noch frei", sagte ein Mitarbeiter des Hotels Savoy an der Fasanenstraße. Im Grand Hotel Esplanade sind erst 40 Prozent der 386 Zimmer reserviert. Als "schlecht im Vergleich zum Vorjahr" bezeichnet auch das Hotel Schweizerhof die Quote von derzeit 67 Prozent. Letztlich könnten daraus aber noch 98 Prozent werden, hieß es.

Ebenfalls 67 Prozent beträgt die bisherige Auslastung des Hotels Kempinski am Kurfürstendamm, rund ein Drittel der Räume wurde von ausländischen Besuchern reserviert. Im Vorjahr war das Kempinski ausgebucht, nun hofft man immerhin auf 90 bis 95 Prozent. Das Hotel Excelsior an der Hardenbergstraße ist schon bei fast 75 Prozent angelangt.

Das Forum-Hotel am Alexanderplatz ist nach Auskunft der Reservierungsstelle "theoretisch" zu 98 Prozent belegt. Allerdings seien darin Kontingente von Reiseveranstaltern enthalten, die auch noch zurückgegeben werden könnten. Letztlich werde die Quote wohl um 70 Prozent liegen.

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