Berlin : James Last: Immer schön relaxt bleiben

Lars von Törne

Zahlen sind nicht die Stärke von James Last. Wie viele Titel er bislang komponiert hat? Wie viele Platten und CDs seit dem Durchbruch 1965 mit "Non Stop Dancing" erschienen sind? Die wievielte Tournee die jetzt für kommendes Jahr angekündigte ist? "So genau weiß ich das auch nicht", nuschelt der Musiker bei der Vorstellung seiner neuen CD "Ocean Drive - Easy Living" am Freitag im Hotel Kempinski. Ist ja eigentlich auch egal. Wer so lange im Showgeschäft Erfolg hat wie der 72-jährige Bandleader, der kann wohl irgendwann mit dem Zählen von Platten und Konzerten aufhören.

Während er gut gelaunt von seiner Arbeit und vom Leben in der Wahlheimat Florida erzählt, strahlt der grauhaarige Herr mit dem markanten Schnauzbart die Gelassenheit eines Menschen aus, der mit sich selbst zufrieden ist. "Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich das, was ich fühle, so ausdrücken kann, dass es die Gefühle des Publikums trifft", sagt Last. Sein breites Norddeutsch verrät die Bremer Herkunft. "Ein schöneres Leben kann man gar nicht haben." Dabei ist es dem "Gentleman of Music", wie ihn seine Plattenfirma nennt, wichtig, sich auch mit moderner Musik wie Hip Hop und Techno zu beschäftigen. Das zeige zum Beispiel die 1999 mit der Band "Fettes Brot" eingespielte Single "Ruf mich an".

Mit seiner neuen CD, die parallel zu einem Fernsehfilm über "sein" Miami produziert wurde, will James Last "das Lebensgefühl von Palm Beach" wiederspiegeln. "Dort ist alles viel relaxter als in Deutschland", schwärmt Last. Obwohl er sich auch freue, jetzt mal wieder in der alten Heimat zu Besuch zu sein. Vor allem Berlin sei "eine super Stadt". Hier könnte er sich auch mal einen Auftritt auf der Love Parade vorstellen. "Wir haben uns da vor fünf Jahren schon einmal beworben, das hat aber irgendwie nicht geklappt." Angesichts des Hin und Hers um den diesjährigen Termin für den Techno-Umzug könne er sich jetzt aber auch dafür erwärmen, in Zukunft mal bei der Gegenveranstaltung mitzumischen: "Die Fuck Parade fände ich genauso interessant."

Kritikern, die seine Musik als seichtes Zeug abtun, als Gedudel für Flughäfen und Supermärkte, hält er entgegen: "Ist doch toll, wenn meine Musik auch an solchen Orten gespielt wird." Und mit unerschütterlicher Gelassenheit fügt er hinzu: "Ich bin nun mal der Hansi Last, und wenn ich schreibe, was ich fühle, bin ich nur mir selbst verantwortlich - wie Gott."

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