Berlin : Jasmin Reis

Frank Jansen

Eine Zeitlang sah es so aus, als würde die Kombination von Cocktails und Sushi ein größerer Hit. Doch dann flaute der Trend ab – die einschlägigen Lokale hielten sich, aber eine Vermehrung blieb weitgehend aus. Wahrscheinlich sind die Kulturen doch zu verschieden. Sushi-Esser erwarten eine japanisch-aseptische Glattholz-Hartbank-Atmosphäre, während die Cocktail-Aficionados doch lieber in bequemen Clubsesseln Platz nehmen. Oder erst in der Sushi-Bar tafeln und dann in einer samtenen Lounge verrascheln. Wie auch immer – eines der Zwitterlokale, in denen die famosen Häppchen zusammen mit edlen Mixgetränken serviert werden, kannten drinking man und compañera noch nicht. Also nach Friedrichshain ins „Jasmin Reis“, auch wenn der esoterisch klingende Name abschreckt. Und das Viertel um die Simon-Dach-Straße zwar bunt und fröhlich erscheint, aber nicht unbedingt als hot spot of elegant drinking auffällt. Aber könnte man sich je verzeihen, die Aussicht auf womöglich gute und bessere Cocktails ignoriert zu haben?

Die Einrichtung wirkt auf kauzige Weise exotisch. Der Tresen ist mit Bambus ummantelt und wird von einem Bastdach gekrönt. Sitzen kann man hier aber nicht, dafür hat der Betreiber des Jasmin Reis mehrere Tische mit bizarrem Gestühl drapiert: Wild verzweigtes Wurzelholz lädt zu Verrenkungen ein. Die meisten Gäste schienen sich allerdings bequem zu räkeln. Und es fiel auf, dass reichlich Cocktails genossen wurden. Die sonst übliche Synthese von Sushi und Bier war hier offenbar außer Kraft gesetzt. Das drinking couple griff zur Karte.

Der Mai Tai war gut und groß und bullig süß, der Planter’s Punch hielt überaus fruchtig mit. Eher harmlos kam Pink Floyd (Weißer Rum, Southern Comfort, Orangensaft, Grenadine) daher. Angenehm fruchtig schmeckte der alkoholfreie Carribean Sun (Papaya, Mango, Passionsfrucht, Ananas, Orangensaft). Alle Drinks waren üppig mit Obstbrocken und Cocktailkirschen verziert. Das hätte munter so weitergehen können, wäre es beim Verzehr der Sushi nicht zu einer kleinen Katastrophe gekommen.

Die gemischten Platten waren eigentlich sehr lecker. Doch die compañera biss in ein Sake-Sushi, dessen Lachsbelag schon älteren Datums zu sein schien. Erste Übelkeit stellte sich schon kurz nach dem Essen ein, der Caribbean Sun vermochte das Unwohlsein nicht zu lindern. Es blieb nur übrig, den Abend im Jasmin Reis vorzeitig zu beenden und auf den vom drinking man angestrebten Absacker im nahen Goldfisch (Grünberger Straße 61) zu verzichten. Zu blöd. Ein einziges Häppchen hatte gereicht, um einen Thekentanz abzuwürgen. Nach Friedrichshain möchte die compañera jetzt erst mal nicht.

Jasmin Reis, Simon-Dach-Straße 41a, Friedrichshain, Tel.: 21 23 87 19, täglich ab 12 Uhr.

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