Berlin : Jenseits von Bohlen

Der Superstar der ersten Stunde, Alexander Klaws, guckt heute nicht DSDS: Er spielt lieber Musical

Johannes Boie

Im Theater des Westens in der Kantstraße herrscht routinierte Aufregung. Frauen mit imposanten Headsets rennen Treppen rauf und runter, von der Bühne dringen die Stimmen probender Darsteller durch das Haus. In ein paar Stunden wird hier wieder der „Tanz der Vampire“ die Zuschauer begeistern. Alexander Klaws, der als Vampirjäger Alfred fast während der gesamten Aufführung auf der Bühne stehen wird, ist nervös. „Klar hab’ ich Lampenfieber.“ Der 23-Jährige wurde vor vier Jahren deutschlandweit bekannt, als er in der ersten Staffel der RTL-Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ zum Sieger gewählt wurde. Und deren nächste Runde über die Bildschirme flimmert, indem Klaws gerade auf der Bühne steht.

Doch Bohlen & Co. hat der Sänger, der vier Alben produziert, eine Tournee und unzählige Pressetermine nach dem Sieg in der Show absolviert hat, hinter sich gelassen. Dass einige über ihn sagten, er sei vom Musical „aufgefangen“ geworden, stört ihn nicht. „Jack Nicholson spielt doch auch am Broadway.“ Den Vergleich bringt er ganz locker über die Lippen. Die Einladung vom Theater des Westens zum Probespielen kam, als es nach dem TV-Brimborium um den Sänger immer ruhiger wurde. „Ich holte gerade mein Auto vom TÜV ab, da klingelte das Handy“, freut er sich noch heute.

In den letzten zwei Jahren habe er sich extrem verändert, sagt Klaws über sich selbst. „Damals war ich der Alex aus Sendenhorst.“ Jetzt lebt er in Charlottenburg: „Das hätte ich mir früher nie vorstellen können.“ Wenn er von sich spricht, sagt er oft „man“: „Man hat sich menschlich verändert.“ Er fühlt sich wohl in Berlin, nimmt an Charity-Veranstaltungen teil: „Kinder zu unterstützen, die Krebs haben. Das bringt einen echt weiter im Leben.“

An der Arbeit auf der Bühne reizt ihn die fehlende Sicherheit durch Schnitt und Kameratechnik, die er vom Fernsehen her kennt. „Im TV wirkt man immer größer als man ist. Auf der Bühne spürt man die Reaktion der Leute viel deutlicher. Man muss präsent sein im ganzen Raum.“ Seine Rolle wurde im Originalfilm „Tanz der Vampire“ von Roman Polanski gespielt. Der bekam damals einen Oscar für seine Leistung – und er sah bei der Neuproduktion des Berliner Musicals nach dem Rechten. „Es hat tierisch Spaß gemacht, mit ihm zu arbeiten“, sagt Klaws über Polanski. „Hier am Theater wurde ich von allen herzlich aufgenommen.“ Dass seine Biografie ganz anders ist als die der anderen Darsteller, stört ihn nicht. „Ich kann hier viel lernen. Die Leute nehmen mich an die Hand.“ Seit er am Theater spiele, kann Klaws sich sogar vorstellen, auf Dauer Schauspieler zu werden. Der Zeit beim Fernsehen trauert er nicht hinterher. Er hofft sogar, durch seine Arbeit am Theater den Stempel „Castingkünstler“ loszuwerden Die neuen DSDS-Kandidaten tun dem Sieger der ersten Staffel leid. „Die haben das Pech, mit mir verglichen zu werden.“

Tanz der Vampire, Theater des Westens, Dienstag bis Sonntag, Tickets 01805 / 44 44, Deutschland sucht den Superstar, heute 20.15 RTL

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