Berlin : Job-Center von vielen einfach ignoriert

In Neukölln haben sich 1500 junge Arbeitslose auf 4000 Briefe gemeldet

Constance Frey

Das Job-Center Neukölln hat seit Januar rund 4000 Einladungen zu Beratungsgesprächen an jugendliche Empfänger vom Arbeitslosengeld II geschickt. Doch nur rund 1500 junge Arbeitslose haben sich überhaupt gemeldet. Das ist nur eines der praktischen Probleme, die sich bei der Vermittlung von Arbeitslosen unter 25 Jahren stellen. Denn bei den meisten Jugendlichen im Bezirk ist eine schnelle Eingliederung in den Arbeitsmarkt gar nicht möglich, weil sie zuerst eine Berufsausbildung machen müssen. In Neukölln haben 70 Prozent von ihnen keinen Abschluss. Davor muss eine „beträchtliche Zahl“, so Dietmar Jarkow, Geschäftsführer des Job-Centers Neukölln, auch noch einen Schulabschluss machen. „Für diese Jugendlichen kann die Ausbildung nicht mehr in diesem Jahr beginnen“, sagt Fallmanagerin Jutta Schnell-Baethge, die unter 25-jährige Arbeitslose betreut.

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement hatte gefordert, bis Ende März sollten alle jugendlichen Arbeitslosen mit ihrem Job-Center eine Eingliederungsvereinbarung abschließen. In Neukölln konnte das Job-Center bislang rund 500 Eingliederungsvereinbarungen abschließen. In dem Bezirk leben aber 4700 junge Empfänger von Arbeitslosengeld II. Darüber hinaus hat das Haus knapp 30 Prozent der jugendlichen Arbeitslosen ein Integrationsangebot auf dem ersten oder zweiten Arbeitsmarkt gemacht. Dabei bemühen sich die Betreuer um eine möglichst umfangreiche Qualifikation. Werden die Jugendlichen zum Beispiel auf Ein-Euro-Basis eingesetzt, versuchen die Fallmanager, für die Hälfte der Arbeitsstunden weiterbildende Sprachkurse oder Praktika zu organisieren. Bislang sind 410 Jugendliche in Ein-Euro-Jobs vermittelt worden. Bis Jahresende will das Job-Center 4000 Eingliederungsvereinbarungen abschließen.

Oft mache es allerdings keinen Sinn, sofort eine Eingliederungsvereinbarung zu treffen, so Uwe Mählmann, Sprecher der Arbeitsagentur Süd, weil die Jugendlichen zum Teil mit Suchtproblemen oder Schulden in die Beratung kämen. Das müsse dann zuerst geregelt werden. Den Jugendlichen, die sich zu den Beratungsgesprächen nicht zurückgemeldet haben, droht eine Kürzung der Bezüge.

Seit Januar setzt das Job-Center einen Betreuer pro 75 jugendliche Arbeitslose ein. Das entspricht der geforderten Quote. Für die über 25-Jährigen ist aber noch nicht genügend Personal vorhanden, um den erforderlichen Betreuungsschlüssel von einem Fallmanager für 150 Arbeitslose zu erfüllen. Dietmar Jarkow will dafür bis Mitte des Jahres weitere 200 Mitarbeiter einstellen. Für die rund 43000 Empfänger von Arbeitslosengeld II über 25 Jahre konnte das Job-Center bislang 1440 Ein-Euro-Jobs vermitteln.

Aus dem Eklat um den Einsatz von Ein-Euro-Jobbern bei einem Umzug im Bezirk hat das Haus Konsequenzen gezogen. Gestern trafen sich Vertreter der Wirtschaftsverbände und des Job-Centers, um über eine konfliktfreie Genehmigung von Ein-Euro-Jobs zu verhandeln. Künftig sollen IHK oder Handwerkskammer grundsätzlich bei beantragten Ein-Euro-Jobs im gewerblichen Bereich konsultiert werden.

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