Jugendarbeitslosigkeit in Berlin : Mit neuer Agentur gegen miese Zahlen

Mit Hilfe einer neuen Agentur möchten Senat, Jobcenter und Unternehmer die Zahl der Lehrstellenabbrecher senken und mehr junge Menschen als bisher in Lehrstellen vermitteln.

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Protest des Nachwuchses. Junge Menschen protestieren gegen die Arbeitslosigkeit ihrer Altersgruppe. Foto: dpa
Protest des Nachwuchses. Junge Menschen protestieren gegen die Arbeitslosigkeit ihrer Altersgruppe.Foto: dpa

Das Problem in Zahlen gefasst: 18 185 Menschen unter 25 Jahren sind derzeit in Berlin arbeitslos gemeldet, 33 Prozent aller Auszubildenden brechen ihre Lehre vorzeitig ab, 1500 junge Menschen haben im jüngsten Ausbildungsabschnitt keine Lehrstelle erhalten, gleichzeitig blieben 480 Lehrstellen unbesetzt. Damit ist das Ziel klar: „Wir wollen einerseits versuchen, mehr junge Menschen in Ausbildungsplätze zu vermitteln, aber auch die Zahl der Abbrecher stark senken“, sagte am Mittwoch Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD).

Die Antwort auf die miesen Zahlen lautet in Kurzform: Jugend-Berufsagentur. Dahinter verbirgt sich ein Gemeinschaftsprojekt. Der Senat sowie die Bundesagentur für Arbeit, regionale Unternehmerverbände, Handwerkskammer Berlin sowie DGB und Schulen werden eine zentrale Anlaufstelle gründen. Dort erhalten Schüler, die eine Lehrstelle suchen, aber auch Schul- oder Lehrstellenabbrecher alle Informationen, um eine möglichst passgenaue Lehrstelle zu finden. Oder sie werden bei anderen relevanten Fragen betreut. Damit ersparen sich die Betroffenen zeitraubende, nervende Behördengänge, und die öffentlichen Stellen wissen zugleich durch intensiven Datenaustausch, wo noch freie Stellen sind. So eine Anlaufstelle soll von 2016 an in jedem Bezirk stehen. Im nächsten Jahr, zu Beginn des Projekts, werden erst mal drei Bezirke ausgestattet. Genügend Mittel sind nach Scheeres Angaben vorhanden; wie die Kosten aber genau aufgeteilt werden, ist noch unklar. Strategisches Ziel ist auf jeden Fall, die Jugendarbeitslosigkeit bis 2016 unter 10 Prozent zu drücken. Derzeit liegt sie bei 11,4 Prozent.

Auch die Schulen werden eingebunden. Sie werden darüber informiert, in welchen Bereichen sie ihre Schüler besonders qualifizieren müssen, damit die möglichst problemlos eine Lehrstelle finden. Ein Allheilmittel werden die Zentren allerdings nicht darstellen. „Die Agentur“, sagt Alexander Schirp fast seufzend, der Geschäftsführer der Unternehmerverbände Berlin-Brandenburg, „ist nur eine Säule bei der Bewältigung des Problems“.

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