Neues Jugendportal : Scheeres und die Jugendsprache

Bildungssenatorin Sandra Scheeres möchte Jugendliche künftig stärker in Entscheidungsprozesse einbeziehen. Eine gute Idee. Trotzdem klingt das alles ein bisschen nach Das-Internet-ist-für-uns-alle-Neuland. Ein Kommentar.

Simon Grothe
Auch junge Leute sollen entscheiden. Das geht vor allem über das Internet, erklärte Sandra Scheeres auf einer Pressekonferenz.
Auch junge Leute sollen entscheiden. Das geht vor allem über das Internet, erklärte Sandra Scheeres auf einer Pressekonferenz.Foto: dpa

"Neue Medien spielen eine große Rolle bei Jugendlichen.“ Diese Erkenntnis hat nun auch Sandra Scheeres gewonnen, die Bildungssenatorin von Berlin. Sie gab am Dienstag eine Pressekonferenz zum Thema „Berlin - Stadt der Jugendbeteiligung“. Diese Jugendlichen, dieses Facebook. Bis Ende kommenden Jahres soll ein Portal für uns Jugendliche entstehen. Titelvorschlag: Jugendportal. Das klingt nach Spaß. Jedenfalls sollen auf dieser Internetseite alle Beratungsstellen und Angebote für Jugendliche auf einen Blick serviert werden. Alles in einer Sprache, „die Jugendliche verstehen“, so Scheeres. Da hätte ich einen Tipp, Langenscheidt wählt doch gerade das Jugendwort des Jahres. Das ist doch angesagt. Warum nicht das Portal „SOS“ nennen? Das steht für „Same old Shit“ und das sagen diese Jugendlichen so. Oder sagt das Langenscheidt?

Die Idee, etwas für Jugendliche zu machen, ist ja gut. Dringend notwendig sogar. Wer könnte besser über Schultoiletten, den Rahmenplan oder die Kantinenverpflegung diskutieren als die Schüler selbst? Außerdem bleiben die Jugendlichen ja auch nicht immer „die Jugendlichen“, sondern werden auch mal alt, und wenn sie sich schon vor ihrem 18. Geburtstag mal mit ihren Rechten und Pflichten auseinandersetzen, ist das sicher von Vorteil.

„ePartizipation“ zum Beispiel. Auf dem Portal soll man diskutieren und abstimmen können. Dafür gibt es auch schon eine Internetseite, leider ist sie gerade im Umbau. Das Jugendportal gehört neben den „Jugenddemokratiefonds“ und der „Förderung einer Beteiligungskultur in Kita und Schule“ zu den „Säulen der Jugendpolitik“, sagt Scheeres. Beteiligungskultur. Ein schönes Wort.

Sicher, das klingt alles ein bisschen nach Das-Internet-ist-für-uns-alle-Neuland. Vielleicht sollte man den Projekten aber eine Chance geben. Sandra Scheeres könne sich beispielsweise einen Livechat mit Entscheidungsträgern vorstellen. Da sollte ich mich vielleicht schnell mal wieder bei MSN anmelden, vielleicht ist gerade MichaMülla64 online.

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