Schwesig stellt Jugendstrategie vor : „Echte Partizipation – das ist der Grundgedanke der neuen Jugendpolitik“

Die neue Jugendstrategie des Bundesjugendministeriums verspricht, dass Jugendliche stärker in die Politik eingebunden werden. Ist das realistisch? Eine Jugendblog-Reporterin war vor Ort.

Anja Nolte, 15
Familienministerin Manuela Schwesig (r.) bei der Auftaktveranstaltung zur neuen Jugendstrategie.
Familienministerin Manuela Schwesig (r.) bei der Auftaktveranstaltung zur neuen Jugendstrategie.Foto: dpa

Der Veranstaltungssaal ist voll. Fast alle halten Kameras, Mikrophone, Notizblöcke oder Mappen in der Hand. Die vorderen Sitzreihen sind mit Namensschildern versehen, sie sind reserviert für die 300 Experten aus Jugendorganisationen, die heute eingeladen sind. Sie alle wollen dabei sein, beim Auftakt zur neuen Jugendstrategie „Handeln für eine jugendgerechte Gesellschaft“, vorgestellt durch Bundesjugendministerin Manuela Schwesig. 

Theater, 300 Experten und ein Tandem für Drei

Nach der typischen Auftaktseinführungsrede á la „Wir brauchen ein neues, realistisches Bild der heutigen Jugend“ folgt ein nicht ganz so typisches Theaterstück. Das, was zu Beginn nach einem misslungenen „Phantom der Oper“ aussieht (Typ in Anzug und Maske, drei Kinder) scheint eine metaphorische Darstellung der Beziehungen zwischen Jugendlichen und gesichtslosen, kein Verständnis entgegenbringenden Politikern zu sein. Aber natürlich werden die Grenzen am Ende alle überwunden: Happy End, juhuu.

Danach die Rede der Jugendministerin. Die angekündigte Diskussion mit den 300 Experten kommt irgendwie nicht zustande, die vier ebenfalls eingeladenen Jugendlichen, Vertreter unterschiedlicher Organisationen, zum Beispiel der muslimischen Jugend, stellen jeder je eine Frage an die Ministerin, denn die Zeit drängt. Dann noch schnell ein Pressefoto mit der Politikerin auf einem Fahrrad mit drei Sitzen, vor dem Wegweiser „Jugendstrategie“. 

 „Echte Partizipation – das ist der Grundgedanke der neuen Jugendpolitik“

Der Plan klingt gut: eine Politik für, mit und von Jugendlichen. Selbstorganisation soll gefördert und ein Jugendcheck entwickelt werden, der Gesetzesentwürfe auf Jugendgerechtigkeit hin überprüft. Die oben genannte Strategie soll auch auf internationale Ebene gebracht werden.

Dennoch ist zu bezweifeln, dass diese Politik alle erreicht: also diejenigen, die nicht ehrenamtlich in Jugendorganisationen tätig sind und nicht direkt davon profitieren, sowie diejenigen, die keine Zeit oder keine Lust haben, sich darum zu kümmern. Deshalb wird das neue, angeblich „realistischere“ Bild der heutigen Jugend auch nur ein Spiegel derer sein, die sowieso schon engagiert sind.

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