Berlin : Julia & Tom Göhre

Ursula Engel

Südafrika Dezember 2000. Strahlend blauer Himmel am Kap. Ein schönes Paar, vor romantischer Kulisse. Er, dunkelhaarig, schlank, sportlich. Sie, zierlich, quirlig, mit wilder Lockenfigur. "Willst du mich heiraten", fragt er sie. Mit der Videokamera hielt Tom Göhre (28) seinen Heiratsantrag auf dem Berg "Lionshead" in Kapstadt fest. Julia sagte "Ja" und konnte vor Aufregung und Glück noch weniger still stehen als sonst. Die Szene hätte TV-Movie-Qualität, gäbe es da nicht diesen entscheidenden Unterschied: Die Gefühle waren echt!

Julia Bohmbach und Tom Göhre waren wirklich verlobt. Zum Jahreswechsel beendete der Medizinstudent sein Praktisches Jahr in Kapstadt. Julia, die in Berlin Sportökonomie studiert, war mit nach Südafrika gegangen und hatte die Zeit dazu genutzt Sportwettkämpfe für Straßenkindern zu organisieren. "Er hat mir dann das Video gezeigt", sagt Toms Mutter, die mindestens genauso froh ist über die Hochzeit wie das Paar selbst. "Ich war die erste, der er es erzählt hat, aber ich durfte noch nichts sagen." Das ist ihr schwer gefallen. Über Tom und Julia weiß sie alles, sagt die Ärztin und erzählt, dass die beiden sich schon eine Ewigkeit kennen. Beide Familien wohnen am Wannsee.

Früher holte Tom bei Julias Eltern die Frühstücksbrötchen. Und Julia wurde von Toms Mutter schon untersucht als sie noch ein Baby war. Später gingen Tom und Julia in die gleiche Schule. Besonders froh ist die Ärztin über die Leichtigkeit, mit der Tom und Julia miteinander umgehen. "Die beiden sind so verspielt, romantisch und zärtlich", sagt sie. "Es ist einfach wunderbar. Sie wälzen nicht pausenlos Probleme miteinander. Sie sind unbeschwert. Das gefällt mir sehr. Hoffentlich können sie sich das bewahren."

Eine bessere Schwiegertochter könne sie sich für ihren Sohn gar nicht vorstellen. Dass die Hochzeit richtig groß gefeiert werden sollte, war für die Familie keine Frage. Eine riesige, nein mehr, eine echte Traumhochzeit sollte es werden. Deshalb waren Tom und vor allem Julia seit Anfang des Jahres im Stress. Ein Traumfest ist eben nicht nur schön, sondern macht auch viel Arbeit, besonders, wenn man wählerisch ist. Besonders Julia, die sehr gern und gut organisieren kann, hatte in den letzten Monaten viel zu tun. Und weil alles perfekt sein sollte, ging es zwei Wochen vor der Hochzeit auch noch zum Crashtanzkurs.

Vom Hochzeitswalzer hatte das Paar nämlich nicht viel Ahnung. Also beschloss man einen Kurs für Hochzeitspaare bei einer Tanzschule in der Bundesallee zu buchen. Wer diesen Kurs belegt, das garantiert die Tanzschule, hat auch mit dem Wiener Walzer keine Probleme mehr.

Notfalls gibt es zusätzlich Einzelunterricht bis es klappt. Dieses Angebot fand auch der Rest der Familie, die Eltern, Schwiegereltern und Toms Bruder samt Freundin, so verlockend, dass sie beschlossen eine Auffrischung könne auch ihnen nichts schaden. So wurde der Crashkurs auch zum Familientreffen.

Das Projekt war erfolgreich. Nach gerade mal drei Kursstunden waren die Führungsprobleme geklärt, und alle sahen zuversichtlich auf den Eröffnungstanz des Brautpaares. Bei der Hochzeitsfeier in einem Schloss Nähe Potsdam war dann auch wirklich alles perfekt. Allerdings musste die große Hochzeitsgesellschaft - 120 Leute waren gekommen - bis Mitternacht auf den Walzer warten. "Die Freunde der beiden hatten sich so viele Überraschungen ausgedacht, dass wir früher einfach nicht zum Tanzen kamen", sagt Toms Mutter.

Dann aber gab es reichlich Walzer. Fast eine Stunde drehten sich erst Tom und Julia und dann auch die Gäste im Dreivierteltakt; und das ganz ohne Pannen. Tom hat Julia nicht zu wild herumgewirbelt und er hat ihr nicht auf die weißen Brautschuhe getreten. Und keiner ist aus dem Takt gekommen. Nach der Hochzeit gab es für Tom und Julia aber eine schnelle Rückkehr zur Normalität. Statt Tanzen und Feiern ist jetzt Büffeln angesagt.

Im Herbst macht Julia ihren Abschluss, und Tom lernt für seinen Facharzt in Orthopädie. Die Hochzeitsreise ist auch deshalb ausgefallen. "Die können sie später nachholen, wenn sie mit ihrer Ausbildung fertig sind und selbst Geld verdienen", sagt Toms Mutter.

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