Berlin : Junge Intensivtäter schlugen erneut zu – Opfer in Lebensgefahr

Jugendlicher prügelte brutal auf 43-jährigen Passanten ein. Mädchen feuerte Täter an – Polizei kannte die beiden

Jörn Hasselmann

Die beiden Jugendlichen waren erst vor wenigen Wochen in die Intensivtäter-Kartei aufgenommen worden. Zu Recht, wie sich jetzt gezeigt hat. Gestern wurden der Junge und das Mädchen wegen eines brutalen Verbrechens dem Haftrichter vorgeführt. Der 17-Jährige Carsten H. (Namen geändert) soll völlig grundlos auf der Straße einen Menschen niedergeschlagen haben – Cora M. stand daneben und feuerte an. Das Opfer, ein 43-Jähriger aus Prenzlauer Berg, ringt jetzt in einer Klinik mit dem Tod. Er trug schwerste Kopfverletzungen davon, sein Schädel ist mehrfach gebrochen, große Sorgen macht den Ärzten eine Gehirnblutung.

Der 43-Jährige war gegen 16.30 Uhr in der Randowstraße Ecke Welsestraße in Hohenschönhausen von der aus elf Jugendlichen bestehenden Gruppe aneinander geraten, aus völlig banalen Anlass: Der Mann ging da, wo die Jugendlichen gehen wollten. Geschimpft oder gestritten wurde kaum, sondern sofort zugeschlagen, und zwar mit brachialer Gewalt, wie ein Ermittler sagte. Mehr als ein oder zwei Sätze wurden nicht gesprochen, sagte ein Ermittler. Carsten H. schlug dem Mann derart heftig wenige Male mit der Faust ins Gesicht, dass der Kiefer brach. „Wie ein Brett“ sei der 100 Kilogramm schwere Mann umgefallen und mit dem Kopf auf einem Vorsprung im Gehweg aufgeschlagen.

Danach rannten alle elf Jugendlichen weg, doch die Polizei kam ihnen, alle aus dem Hohenschönhausener Plattenbaukiez an der Falkenberger Chaussee, schnell auf die Spur. Die Beamten hatten gerade am Tatort mit den Ermittlungen begonnen, als ein Anwohner sagte, „Das war die Cora M., die kennen wir hier.“ Die 16-Jährige wohnt seit zweieinhalb Jahren in einem Heim für betreutes Wohnen, ihre Mutter soll nicht mit dem Mädchen klar gekommen sein. Eine richtige Betreuung hat sie in diesem Heim nicht, wenn sie will, kann sie einen Pädagogen um Rat fragen – oder das lassen. Zur Schule geht Cora M. nicht mehr.

Die 16-Jährige hat sich in den letzten Monaten in die Intensivtäterkartei der Polizei hineingeschlagen, geraubt und geprügelt. Gegen sie wird derzeit wegen 26 Vorgängen ermittelt, zudem soll sie mehrfach vorbestraft sein. Cora M. soll entweder Gleichaltrige oder Wehrlose beraubt haben.

Der 17-Jährige ist in diesem Jahr bereits 14-mal aufgefallen. Nachdem diese Ballung von Strafanzeigen erkannt worden war, wurden sie als Intensivtäter eingestuft, das heißt sie werden jetzt von einem speziellen Kommissariat betreut. Und obwohl die Ermittler einiges gewohnt sind, schockiert sie die extreme Brutalität der Attacke vom Sonntagnachmittag: „Keiner von den Jugendlichen hatte die menschliche Regung, dazubleiben und dem Schwerverletzten zu helfen“, sagte ein Kommissar. „Alle sind sie einfach weg, gestellt hat sich keiner.“ Doch alle anderen neun Jugendlichen, darunter drei Mädchen, wurden vorübergehend festgenommen.

Nicht so Cora M. Sie wurde wie der Schläger Carsten H. dem Haftrichter vorgeführt. Wegen ihrer auffallend schnellen kriminellen Karriere wird das Mädchen nach Informationen des Tagesspiegels vermutlich auch in die Intensivtäterkartei der Justiz aufgenommen. Unter den 130 dort aktenkundigen Gewalttätern sind nur zwei Frauen, darunter seit einigen Tagen eine der Täterinnen, die kürzlich im Lichtenberger Frauengefängnis eine Mitgefangene gefoltert haben soll. In der Polizei-Kartei sind wesentlich mehr Intensivtäter, mehrere hundert.

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