Junge Liberale in Berlin : Wie das Wegbier im Wahlkampf gerettet wird

Die Jungen Liberalen basteln sich ein Wahlkampf-Thema und wollen jetzt das Wegbier retten. Doch diese Idee ist nicht ganz nüchtern. Eine Glosse.

von
Draußen sein und Bier trinken - will keiner verbieten, die FDP will's trotzdem retten.
Draußen sein und Bier trinken - will keiner verbieten, die FDP will's trotzdem retten.Foto: Alex Heinl/dpa

In Alkohol lässt sich fast alles auflösen, wenn man es lange genug wirken lässt, sogar das Gehirn. Insofern wundert es nicht, dass dieser Stoff, aus dem die vernebelten Träume sind, auch im hochsommerlichen Wahlkampf starke Wirkung zeigt. So bekunden die Jungen Liberalen jetzt ihren unverbrüchlichen Willen, dass am 18. September wieder eine Stimme der Freiheit ins Parlament einzieht, um ein Berliner Kulturgut vor dem Bevormundungsstaat zu retten. Es geht um das Wegbier, auch Fußpils oder Faustmolle genannt.

Bitte lasst die Toten Hosen aus dem Spiel!

Mit einem Grillfest auf dem Tempelhofer Feld wollen die Nachwuchs-FDPler ihren Widerstand manifestieren – gegen ein Wegbier-Verbot, das es in Berlin gar nicht gibt, aber geben könnte, wenn die Feinde des Alkoholgenusses auf offener Straße die Wahl im September gewinnen sollten. Die Jungen Liberalen mutmaßen offenbar, dass gewisse Kreise der CDU dahinterstecken und wollen den Anfängen wehren. Sagen wir mal so: Wer kein Thema hat, der bastelt sich eins für den Wahlkampf, aber bitte, liebe freie Jugend, lasst die Toten Hosen aus dem Spiel. Deren wunderbaren Song Kein Alkohol ist auch keine Lösung für eine Aktion zu okkupieren, die erst recht keine Lösung für ein nicht vorhandenes Problem ist – nein, das passt in keine Flasche!

Fassen wir noch mal zusammen: Das Wegbier bleibt, aber ob die FDP wieder kommt, weiß man nicht. Jedenfalls sollten die Liberalen nicht nur im Wahlkampf darauf achten, dass ihre freie Jugend das Berliner Leben erst einmal nüchtern betrachtet. Später gibt’s dann ein kühles Wegbier in die Hand. „Der gärende Alkohol fängt an zu faseln, fängt an, in faselnde Gärung überzugehen“, sagte der Gymnasiast Pfeiffer einst in der Feuerzangenbowle. Ein schlaues Bürschchen, dieser Pfeiffer.

3 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben