• Juppy von der Ufa-Fabrik liebt den Gegensatz zwischen dem ruhigen Tempelhof und dem quirligen Schöneberg

Berlin : Juppy von der Ufa-Fabrik liebt den Gegensatz zwischen dem ruhigen Tempelhof und dem quirligen Schöneberg

Michael Brunner

Juppy schiebt seinen schwarzen Hut ein Stück aus der Stirn, bestellt sich ein Glas Pfefferminztee und zündet die nächste Zigarette an. Der 50-Jährige erzählt von den 70er Jahren, als er mit sieben Freunden ein ehemaliges Kopierwerk in der Viktoriastraße besetzt und dort das stadtbekannte Kulturzentrum Ufa-Fabrik gegründet hat. Damals spielte Tempelhofs Bezirksbürgermeister Dieter Hapel als Kreisvorsitzender der Jungen Union schon eine Rolle in der Politik. "Dieter Hapel war vor 25 Jahren unser schärfster Widersacher", sagt Juppy und lacht. Heute sieht er keinen Grund mehr, auf den CDU-Mann im Rathaus am Tempelhofer Damm wütend zu sein. Im Gegenteil. "Seit Hapel Bürgermeister ist, hat er sich zu einem positiven Menschen entwickelt", sagt Juppy, der eigentlich Hans-Josef Becher heißt. Hapel habe ein gewisses Tempo in den konservativen Bezirk gebracht, nicht zu schnell für die alten Tempelhofer, und nicht zu langsam für die jungen.

Über Hapel spricht Juppy wie ein Gentleman nach einem unentschiedenen Zweikampf über seinen Gegner: zurückhaltend und mit Anerkennung. Von der Schöneberger Bürgermeisterin Elisabeth Ziemer schwärmt er. Das hat nichts damit zu tun, dass Frau Ziemer von den Grünen kommt. "Sie ist eine Bürgermeisterin zum Anfassen. Schwierige Dinge erklärt sie zur Chefsache und sie ist wirklich für die Menschen da", sagt Juppy. Seit 20 Jahren lebt er in Tempelhof, seit 30 Jahren in Berlin. Sieben Senatsmannschaften hat der Mann aus Trittenheim bei Trier erlebt. Wie findet er die künftigen Partner Schöneberg und Tempelhof? "Schöneberg ist ein sympathischer Bezirk mit vielen originellen Ecken und gemütlichen Kneipen", sagt Juppy, der Schöneberg auch darum gut kennt, weil er 1972 in der Hohenstaufenstraße gewohnt hat. Am meisten mag er den Winterfeldtplatz und dessen Umgebung. "Dort wird das Leben locker genommen, es geht freizügig zu."

Tempelhof ist anders, mein Juppy: "Ein ganz bezaubernder Stadtteil zwar, aber dort muss man sehr viel Geduld haben, wenn man etwas erreichen will." Den Menschen bescheinigt er, dass sie anständig und bescheiden sind. Doch sie könnten sich ruhig etwas mehr trauen. Wie es wird, wenn "das quirlige Schöneberg mit seinem bunten Nachtleben" und "das ruhige Tempelhof mit seinen tüchtigen Bewohnern" ein Bezirk werden, kann sich der Mann aus der Ufa-Fabrik gar nicht so richtig vorstellen. Einen Wunsch hat er: "Es wäre schön, wenn die Eigenarten erhalten bleiben." Schöneberg sollte bunt bleiben, Tempelhof fleißig.

Aufs Stichwort Politik sprudeln aus Juppy Begriffe wie "bessere Welt", "Ehrenamt", "Respekt", "Verantwortung", "Agenda 21", "Gemeinsamkeit" hervor. Sein Motto lautet: Politik ja, Parteipolitik nein. Denn die Parteien sind nach Juppys Ansicht seltsame Vereine, in denen große Dinge klein geredet und kleine Dinge aufgebauscht werden. Natürlich hat er nach jahrzehntelangem Leben in einer Kommune nichts gegen Diskussionen, aber "es muss irgendwann mal greifbare Ergebnisse geben, damit die Menschen wieder daran glauben, dass sich Ideen umsetzen lassen".

Die Tür öffnet sich, ein Ungetüm von einem Pudel trottet herbei, um sich ein paar abendliche Streicheleinheiten abzuholen. Juppy krault der Hündin, die ein halbes Hundeleben lang nicht mehr beim Trimmen war, den Kopf. "Otto der Große", hat er "das Mädel" genannt, angeblich, um die wilden Tempelhofer Rüden von ihr fern zu halten. Derlei Storys mögen dazu beigetragen haben, dass ihn manche für etwas abgedreht halten. Fest steht, dass er ein beharrlicher Praktiker ist. Im Herbst 1999 arbeiten sage und schreibe 220 Menschen auf dem Gelände der Ufa-Fabrik.

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