Berlin : Jutta Limbach geehrt, Louise Schroeder gelobt

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Es war eine glanzvolle Ehrung. Mit glänzenden Reden. Der früheren Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts und Justizsenatorin Jutta Limbach wurde gestern die LouiseSchroeder-Medaille verliehen. Eine der höchsten Auszeichnungen, die Berlin zu vergeben hat. Die Laudatio hielt Anne Will. Die Moderatorin der „Tagesthemen“ nannte Limbach „eine herausgehobene Autorität dieses Landes“. Sie sei eine Frau mit einer klaren Haltung. „Und das Geschöpf einer politischen und frauenbewegten Familie.“

Will zitierte Limbach, um den kleinen Unterschied deutlich zu machen: „Frauen haben eher ein neurotisches, Männer ein erotisches Verhältnis zur Macht.“ Über diese These ließ sich gut philosophieren und mit einem ironischen Touch erwähnte Will, dass sich die Juristin und Politikerin, jetzt Präsidentin des Goethe-Instituts, irgendwann auch „von der Nützlichkeit professioneller Frauen-Netzwerke überzeugen ließ“.

Jutta Limbach nutzte anschließend ihre Dankesrede, um eine Laudatio auf die ehemalige Berliner Oberbürgermeisterin Louise Schroeder zu halten und sich über die „Weiblichkeitsmythen“ in der Politik lustig zu machen. Es sei doch so, „dass heute immer noch der weibliche, mütterliche Typ der Politikerin bevorzugt wird“. Um sich auf ihre Rede vorzubereiten, hatte Limbach Protokolle aus der Nationalversammlung und dem Reichstag durchgeblättert, als dort die ersten Frauen eingezogen waren. Darunter auch Louise Schroeder. Amüsiert erzählte sie, wie selbst der sozialdemokratische Reichstagspräsident Paul Löbe – der mit der unverheirateten Schroeder ein Verhältnis hatte – damals über die Frauen im Parlament sprach.

Das kam gut an. Die Stimmung im Festsaal des Abgeordnetenhauses, in dem gestern viele Frauen saßen, war heiter. Am Ende wurde sogar dem Parlamentspräsidenten Walter Momper verziehen, der zur Eröffnung fast die Veranstaltung gesprengt hätte mit dem Satz: „Jutta Limbach hatte es nicht nötig, sich als Feministin zu profilieren …“ Der Rest ging im Protest unter. Die Geehrte nahm den Parteifreund in Schutz. Momper sei doch als Regierender Bürgermeister mit seinem weiblich dominierten Senat „praktizierender Feminist“ gewesen. Auch wenn sich die Ex-Senatorinnen heute einig seien, dass man damals „mehr Klartext“ hätte reden sollen. za

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