Kältehilfe in Berlin : Traglufthalle für 100 Obdachlose in Friedrichshain eröffnet

Am 1. November hat die Kältehilfe in Berlin ihre Arbeit wieder aufgenommen. In der Nähe des Bahnhofs Frankfurter Allee hat eine Übernachtungsstätte ihren neuen Standort bezogen.

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Einer der Schlafbereiche in der Traglufthalle für Obdachlose, die von Stadtmission und Care-Energy betrieben wird.
Einer der Schlafbereiche in der Traglufthalle für Obdachlose, die von Stadtmission und Care-Energy betrieben wird.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Wie allgegenwärtig das Thema Flüchtlinge aktuell ist und dass dieses auch die Obdachlosenhilfe beschäftigt, demonstrierte ein Versprecher des Direktors der Berliner Stadtmission. „Das ist jetzt das dritte Jahr mit dieser Halle für Flüchtlinge“, sagte Joachim Lenz, um sich kurz darauf zu korrigieren.

Mit einer Pressekonferenz wurde die „HalleLuja“, eine Traglufthalle als Nachtunterkunft für bis zu 100 obdachlose Männer, am neuen Standort in Friedrichshain am Donnerstag präsentiert. In den vergangenen zwei Wintern stand die Halle auf einem Gelände der Deutschen Bahn nahe des Innsbrucker Platzes, aufgrund von Bauarbeiten mussten die Betreiber nun eine neue Unterbringung finden.

„Wir wollten nicht nach Hönow oder Hakenfelde. Und zentraler als hier geht es ja gar nicht“, sagt Ulrich Neugebauer, Leiter der Stadtmission-Kältehilfe, während im Hintergrund das Rattern einer S-Bahn zu hören ist. Keine fünf Minuten vom Bahnhof Frankfurter Allee entfernt hat die „HalleLuja“ ihren neuen Standort auf einem ehemaligen Stellwerksgelände der Bahn hinter dem Ring-Center bezogen.

Innen ist die 1200 Quadratmeter große Halle spartanisch und funktional eingerichtet. Eine offene Küche, zwei Container mit Toiletten und Duschen, ein Gepäckraum und 100 Feldbetten, durch Planen in mehrere große Bereiche unterteilt. „Dieses Projekt zeigt, was man mit relativ bescheidenen Mitteln alles erreichen kann“, erzählt Martin Kristek, Chef von Care Energy. Der Hamburger Stromanbieter stellt sowohl die Halle als auch das technische Equipment zur Verfügung.

Dazu gehören Solarzellen, die die Einrichtung mit Strom versorgen, und die Klimatisierung. In der Halle sind angenehme 20 Grad, ständig wird neue Luft hinein gepumpt. Der Luftdruck ist leicht erhöht, was sich jedoch nur in der Eingangsschleuse bemerkbar macht. Zudem gibt es eine Internetanbindung und einen Computer, der den Obdachlosen für Wohnungs- oder Arbeitsplatzsuche zur Verfügung steht.

"Wir weisen niemanden ab"

Die Kosten für sein Unternehmen beziffert Kristek auf 500.000 bis 700.000 Euro pro Winter. Dazu kommen Ausgaben für Personal und Verpflegung – es gibt frisch gekochtes Abendessen und Frühstück –, die vom Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und durch Spenden getragen werden. Geöffnet ist die Halle von Anfang November bis Ende März, immer von 21 Uhr bis 8 Uhr. Im Winter 2014/15 zählte die Stadtmission 15.000 Übernachtungen in der Traglufthalle. „Im vergangenen Winter ist kein Obdachloser auf Berlins Straßen erfroren“, sagt Lenz. Das sei ein großer Erfolg und auch in der gerade begonnen Kältesaison das Ziel. Daher wurden die Übernachtungsplätze stadtweit auf 700 aufgestockt.

Auf einem Bahngelände nahe des Bahnhofs Frankfurter Allee hat die "HalleLuja" einen neuen Standort gefunden.
Auf einem Bahngelände nahe des Bahnhofs Frankfurter Allee hat die "HalleLuja" einen neuen Standort gefunden.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Ina Klassen leitet die „HalleLuja“ und zeigt sich mit dem Beginn der Saison zufrieden. Der Andrang hielt sich bisher noch in Grenzen. Am Dienstag kamen drei Obdachlose, am Mittwoch waren es zwölf. „Das muss sich erst einmal herumsprechen, dass wir jetzt hier sind. Wir sind aber bereit“, sagt Klassen, die besonders das Engagement der vielen Ehrenamtlichen hervorhebt.

Sollten Flüchtlinge nach einem Schlafplatz fragen, würden diese erst einmal aufgenommen und der landesweite Koordinierungsstab Flüchtlingsmanagement informiert, um schnellstmöglich eine geeignete Unterkunft zu finden. „Wir weisen niemanden ab“, versichert Klassen. Das bekräftigt auch Stadtmission-Direktor Lenz. „Dass eine Konkurrenz zwischen Obdachlosen und Flüchtlingen entsteht, werden wir nicht zulassen.“

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