Kalter Krieg in Berlin : Als die Panzer zum Checkpoint Charlie rollten

Vor 50 Jahren eskalierte der Konflikt zwischen den Alliierten mitten in Berlin - weil der US-Gesandte nicht zur Staatsoper kam.

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Zum 50. Jahrestag der Panzerkonfrontation zwischen Amerikanern und Sowjets wurde im Oktober 2011 eine neue Gedenktafel am Checkpoint Charlie eingeweiht.Weitere Bilder anzeigen
Foto: afp
06.12.2011 15:41Zum 50. Jahrestag der Panzerkonfrontation zwischen Amerikanern und Sowjets wurde im Oktober 2011 eine neue Gedenktafel am...

Touristen umschwirren tagein, tagaus den Checkpoint Charlie, den einst weltbekannten Grenzübergang. Sie können kaum glauben, dass es mitten in der Friedrichstraße zur einzigen direkten militärischen Konfrontation der USA und der Sowjetunion im Kalten Krieg kam. 16 Stunden standen sich die Panzer Ende Oktober 1961 gefechtsbereit gegenüber.

Warum das bedrohliche Schauspiel? Es ging um den Viermächte-Status der Stadt, den der sowjetische Regierungschef Nikita Chruschtschow und der DDR-Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht seit 1958 leugneten. Konkret ging es um das Recht der Westalliierten auf ungehinderte Bewegungsfreiheit in ganz Berlin, die auch die Russen hatten. Ulbricht, begierig darauf, die Berlin-Wege unter seine Kontrolle zu bringen, wollte nach dem Bau der Mauer Fakten schaffen. Damit löste er die schwere Krise aus.

Er erklärte die „Grenzübergangsstelle (GÜSt) Friedrichstraße“ für Ausländer zum einzigen Übergang für Angehörige der drei westlichen Besatzungsmächte und Diplomaten. Die Amerikaner errichteten daher in ihrem Sektor den Checkpoint Charlie, wo sie alle Soldaten und Zivilbediensteten der Westalliierten vor der Fahrt in den Ostsektor registrierten.

Das Drama beginnt am 22. Oktober. Der stellvertretende US-Gesandte Allan Lightner und seine Frau wollen in die Staatsoper. Die Volkspolizei winkt ihren VW-Käfer mit der US-Nummer B-2000 aber nicht wie üblich durch, sondern will die Ausweise sehen. Da Lightner ablehnt, müssen sie umkehren.

General Lucius D. Clay, der Sonderbeauftragte Präsident Kennedys in Berlin und Vater der Luftbrücke während der sowjetischen Blockade der Westsektoren 1948/49, ist alarmiert. Er sorgt dafür, dass sofort ein Exempel statuiert wird. Mehrmals wird Lightner an diesem Abend von US-Soldaten in den Osten eskortiert, mit aufgepflanztem Bajonett begleiten sie seinen Wagen zu Fuß. In der Nähe des Checkpoint Charlie werden Panzer und Schützenpanzerwagen postiert.

An den folgenden Tagen eskalieren die Spannungen. Proteste bei den Sowjets gegen das „illegale“ Vorgehen der Vopos nutzen nichts. Die DDR-Regierung erklärt, alle Ausländer in Zivil hätten sich auszuweisen. Die Westmächte erinnern Moskau daran, dass nach den Viermächte-Regeln die Autonummer als Identifikationsmerkmal für alliiertes Personal genügt, in Zweifelsfällen dürften nur sowjetische Soldaten nach den Papieren fragen. Doch wie sich bei zahlreichen Testfahrten zeigt, lassen die Vopos lediglich Uniformierte unkontrolliert passieren.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was die Krise am Checkpoint Charlie für Folgen hatte.

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