Kamera läuft : Von der Kabarettistin zur Nonne

ZDF verfilmt das Leben von Isa Vermehren in Zehlendorf – mit Nadja Uhl in der Hauptrolle und Iris Berben als Mutter.

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Zehlendorfer Gartenfreuden. In der Kleiststraße entstanden Szenen für die ZDF-Verfilmung des Lebens von Isa Vermehren - mit Iris Berben und Nadja Uhl.
Zehlendorfer Gartenfreuden. In der Kleiststraße entstanden Szenen für die ZDF-Verfilmung des Lebens von Isa Vermehren - mit Iris...Foto: dpa

Manch einer kann eine Ziehharmonika nicht von einem Akkordeon unterscheiden. Nadja Uhl hingegen, drückte man ihr solch eine Ziehharmonika in die Hand, könnte jetzt, nach wochenlangem Üben, ohne Weiteres beginnen, darauf herumzufingern und sich selbst zu begleiten. Zu Kabarettistischem wie „Eine Seefahrt, die ist lustig“ etwa, wozu nun aber ihr Kostüm gar nicht passen würde. Denn an diesem Dienstag, in einer Villa in der Zehlendorfer Kleiststraße, wird nicht ein Auftritt in Werner Fincks legendärer „Katakombe“ gedreht, sondern eine gutbürgerliche Geburtstagsfeier in der Villa Vermehren. Aber der Reihe nach.

Seit August wird in Berlin und Umgebung fürs ZDF der Film „Ein weites Herz“ gedreht, mit Nadja Uhl als Isa Vermehren, einer Frau mit einer erstaunlichen Biografie, auf den ersten Blick widersprüchlich, zumindest überraschend: 1918 in Lübeck geboren, 1933 wegen Verweigerung des Hitlergrußes von der Schule geflogen, mit der Mutter nach Berlin gezogen und dank glücklicher Umstände und offenkundigen Talents samt Ziehharmonika beim Kabarettisten Werner Finck in der Tiergartener Bellevuestraße gelandet. Eine zeitbedingt kurze Karriere: Die Katakombe wurde 1935 geschlossen und die junge Künstlerin fand beim Film und der Truppenbetreuung Unterschlupf – bis ihr jüngerer Bruder, vom Auswärtigen Amt in der Türkei eingesetzt, 1944 zu den Engländern wechselte und die Familie in Sippenhaft kam. Ravensbrück, Buchenwald, Dachau hießen für Vermehren die Stationen, erst 1945 kam sie frei. Liberal und protestantisch erzogen, war sie 1938 zum Katholizismus gewechselt, trat 1951 in den Orden Sacré Cœur ein, leitete später die Sophie-Barat-Schule in Hamburg. 2009 starb sie.

Solch ein Leben reicht für mehrere Filme. Das Team um Regisseur Thomas Berger konzentriert sich auf die Zeit zwischen 1938 und 1945, strafft hier, variiert da – ein Leben verläuft eben nicht wie ein Drehbuch. Grundlage ist die Biografie von Matthias Wegner, dessen Vater kurz nach dem Krieg die Aufzeichnungen Isa Vermehrens aus ihrer KZ-Zeit publiziert hatte und der sie noch selbst befragen konnte. Es ist nicht die einzige Verbindung zwischen Film und Leben. Die Produzentin Jutta Lieck-Klenke ging selbst zu der von Vermehren geleiteten Schule, erinnert sich noch gut an sie. „Sehr streng, sehr humorvoll, sehr schlagfertig“ sei sie gewesen. Von ihrem früheren Leben wusste keiner der Schüler etwas.

Auch Iris Berben, die Isas Mutter spielt, hat das Internat der Schule ab 1960 besucht, allerdings bevor die einstige Kabarettistin dort Leiterin wurde.Nur später ist sie ihr begegnet, als sie die Schule noch einmal besuchte. Von der sie übrigens nach vier Jahren geflogen war. In einer Nonnenschule anzuecken, war damals nicht schwer. Für die Hauptrolle war Nadja Uhl erste Wahl, anfangs habe sie Bedenken gehabt, fühlte sich für die Rolle zu alt, sagt die Produzentin. In der Tat war die junge Isa erst 15, als sie bei Finck vorsprach, auch wurde die Katakombe früher geschlossen als es der Film suggeriert – zulässige Verdichtungen des Drehbuchs.

Was Nadja Uhl an der Rolle reizte? „Die Veränderungen, Wandlungen dieses Lebens.“ Von der Kabarettistin zur Nonne – ja, das könne sie sich gut vorstellen. Spannend seien doch die „vermeintlichen Widersprüche in der Biographie, Entwicklungen, die wirken, als würden sie nicht zusammenpassen“. Aber seien es wirklich Widersprüche oder stecke dahinter nicht doch logische Konsequenz. Und das Glaubensthema: Gerade angesichts heutiger Säkularisierung in unserer Gesellschaft sei es wichtig. „Wenn wir mehr über islamische Fundamentalisten wissen als über unsere eigenen religiösen Wurzeln, stimmt doch etwas nicht.“

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