Berlin : Kampf um die „Arena“

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Von Claudia KellerEine der bekanntesten Kulturinstitutionen Berlins bangt um ihre Existenz. Seit 1995 zieht es jährlich eine halbe Million Besucher zu den Konzerten, Theaterstücken und Partys in die Treptower „Arena Berlin“. Doch diesen eingeführten n darf der Betreiber für sein unsubventioniertes Haus nicht mehr nutzen. Den hat sich die Konkurrenz schützen lassen: Jetzt nennt sich das Velodrom „Berlin Arena“. Diese Halle gehört dem Senat, der aber keinen Anlass sieht, in den Namensstreit einzugreifen.

Ende letzter Woche kam die einstweilige Verfügung: Die Velomax Gmbh, der Betreiber des Velodroms und der Max-Schmeling-Halle, verbietet der Arena, im Namen weiterhin ihren Standort Berlin zu führen. Nicht auf Briefpapier, nicht auf Plakaten, nicht mal auf der Internetseite www.arena-berlin.de . „Das geht ans Eingemachte“, sagt Falk Walter, der Geschäftsführer der Arena. Sein Haus hat sich weit über Berlin hinaus einen Namen gemacht und tourt mit Eigenproduktionen wie „Caveman“ oder „Vagina Monologe“ durch ganz Deutschland. „Die Menschen kennen uns unter unserem Namen“, sagt Walter, „nur mit ,Arena‘ können sie nichts anfangen.“

Aber die Treptower haben sich ihren Namen nicht schützen lassen „Wir dachten nicht, dass jemand so verrückt ist und sich genauso nennt wie wir“, kommentiert Walter. Dieser jemand ist nun das Velomax. Die Betreiber des Velodroms haben sich „Berlin Arena“ schützen lassen. „Wenn wir uns Velodrom nennen, denken potenzielle Kunden, bei uns wird nur Rad gefahren. Dabei sind wir längst eine Multifunktionshalle“, begründet Sally Rothholz, der Geschäftsführer. Außerdem sei es international üblich, dass sich die größte Veranstaltungshalle in einer Stadt „Arena“ nenne. Ins Velodrom würden schließlich 11500 Besucher passen, in die Treptower Arena nur 7500.

Sieben Millionen Euro zahlt der Senat jährlich an Subventionen fürs Velodrom. Die Arena kommt ohne aus. Was sagt der Eigentümer der Radsporthalle – der Senat, vertreten durch Sportsenator Klaus Böger (SPD) – zu dem Vorgehen von Velomax? Er nennt es „einen Streit zwischen zwei privaten Betreibern“. Weitere Stellungnahmen will er nicht abgeben. Auch Wirtschafts- und Kultursenator halten sich bedeckt, eine Tatsache, die Walter besonders ärgert: Immer wieder habe es im letzten Jahr Gespräche mit dem Kultur- und dem Wirtschaftsressort darüber gegeben, wie man die alternative Kulturszene in der Stadt fördern könne. „Und jetzt sehen sie einfach zu – obwohl sie Eigentümer des Velodroms sind.“

Auch die Geschäftspartner des Velodroms – große Musikagenturen wie „Loft Concerts“ oder MCT und die Vorverkaufskassen – sind verärgert. „Schon jetzt beschweren sich Besucher bei uns, weil sie vor der falschen Halle stehen“, heißt es bei Loft. „Die Namensänderung ist eine Unverschämtheit.“

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