Kardinal Sterzinsky : Nachfolger für kranken Erzbischof gesucht

Der Papst hat das Rücktrittsgesuch des kranken Erzbischofs Sterzinsky angenommen. Bis zum Besuch Benedikt XVI. im September soll ein Nachfolger gefunden werden.

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Kardinal Georg Sterzinsky ist schwer erkrankt. Foto: Mike Wolff
Kardinal Georg Sterzinsky ist schwer erkrankt.Foto: Mike Wolff

Der Wunsch von Kardinal Georg Sterzinsky ist in Erfüllung gegangen: Papst Benedikt XVI. hat das Rücktrittsgesuch des Berliner Erzbischofs mit sofortiger Wirkung angenommen. Das wurde am Donnerstag im Vatikan bekannt gegeben. Inwieweit der Kardinal davon etwas mitbekommen hat, ist fraglich. Er liegt nach wie vor im Krankenhaus. Der Dompropst und der Generalvikar haben ihm die Nachricht zwar am Krankenbett vorgelesen, doch Sterzinsky ist so schwer krank, dass ihn die Ärzte in ein künstliches Koma versetzt haben.

Am 9. Februar ist er 75 Jahre alt geworden und hatte aus diesem Anlass bereits im Herbst in einem Brief an den Papst sein Amt zur Verfügung gestellt. Bei anderen Bischöfen ist das eine Formsache. 75 Jahre sind für katholische Geistliche kein Alter, um sich zur Ruhe zu setzen. Kardinal Sterzinsky hatte aber deutlich gemacht, dass er es wegen seines gesundheitlichen Zustands ernst meint. Er stand 21 Jahre an der Spitze des Berliner Erzbistums.

Das Kirchenrecht sieht vor, dass die Amtsgeschäfte und die Leitung des Erzbistums erst einmal auf Weihbischof Matthias Heinrich übergehen. Innerhalb von acht Tagen muss er das Domkapitel zusammenrufen, das einen Diözesanadministrator wählt. Vermutlich wird das Weihbischof Heinrich werden. Der Diözesanadministrator wird das Erzbistum während der Vakanz leiten, bis ein neuer Diözesanbischof ernannt ist.

In Kirchenkreisen geht man davon aus, dass ein Nachfolger im nächsten halben Jahr gefunden wird, so dass dieser den Papst bei seinem Besuch in Berlin am 22. September wird begrüßen können. Anders als in anderen Bistümern, wo der Papst im Alleingang einen neuen Bischof ernennen kann, sieht das „Preußenkonkordat“ in Berlin ein Mitspracherecht des Domkapitels vor. In den kommenden Wochen wird das Domkapitel deshalb seine Vorschläge nach Rom schicken. Dazu soll auch die Meinung des Diözesanrates eingeholt werden, der Vertretung der Berliner Katholiken, wie der Dompropst das Gremium kürzlich wissen ließ. Parallel wird auch der Nuntius, der Botschafter des Vatikans in Deutschland, Vorschläge für die Neubesetzung des Berliner Bistums nach Rom schicken. Daraufhin wird der Papst drei Kandidaten auswählen – „unter Würdigung dieser Vorschläge“. Er kann aber auch drei ganz andere Personen auf die Liste setzen, die dann wiederum nach Berlin geschickt wird. Von dieser Dreier-Liste des Papstes wählt das Domkapitel dann den Nachfolger aus. Wenn nicht, bestimmt der Papst ihn.

Soll das Prozedere bis September abgeschlossen sein, ist Eile geboten. In Kirchenkreisen wird deshalb vermutet, dass der Nachfolger unter den Bischöfen und Weihbischöfen gesucht wird. So würde man sich das Prüfverfahren ersparen, das ein Priester durchlaufen muss, bevor er zum Bischof ernannt wird. Unter den Bischöfen gibt es so viele nicht, die von Alter, theologischer Ausrichtung und Fähigkeit infrage kämen. Um die Position der Kirche gegenüber der Bundespolitik zu vertreten, wird eher ein Kandidat mit konservativem, also papsttreuem Profil gesucht. Das würde auf den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst (51) zutreffen. Das würde auch auf den 46-jährigen Essener Bischof Franz-Josef Overbeck zutreffen. Doch er wurde am Donnerstag zum neuen Militärbischof ernannt und dürfte deshalb nicht für Berlin vorgesehen sein. Der 42-jährige Trierer Bischof Stephan Ackermann gilt als zu liberal.

Gute Chancen werden dem 56-jährigen Kölner Weihbischof Heiner Koch zugerechnet, der von 2002 bis 2005 Generalsekretär des Kölner Weltjugendtages war. Er hat seit 17 Jahren Erfahrung in verantwortlichen Positionen auf Bistumsebene gesammelt, er kann gut mitPolitikern als auch mit Kulturschaffenden umgehen. Durch die Nähe zum Kölner Kardinal Joachim Meisner steht er auch nicht in Verdacht, zu liberal zu sein. Auch der Berliner Weihbischof Matthias Heinrich könnte Sterzinsky beerben. Allerdings ist er in Bistum und Domkapitel umstritten.

Im November 2010 hatte sich Prälat Wilhelm Imkamp, Direktor der Augsburger Wallfahrtsstätte Maria Vesperbild, für die Nachfolge ins Gespräch gebracht. Der Vorstoß des erzkonservativen Prälaten und Freundes von Fürstin Gloria von Thurn und Taxis wurde im Bistum als geschmacklos aufgefasst, da Sterzinsky zu dem Zeitpunkt noch voll und ganz in Amt und Würden stand. Claudia Keller

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