Berlin : Karstadt spart – das KaDeWe investiert

Gegen den Trend: Das Kaufhaus steckt 45 Millionen Euro in ein neues Konzept und will weiterwachsen

Cay Dobberke

Noch wird im Erdgeschoss des KaDeWe gezimmert, doch schon am 7. Oktober soll dort der neue „Luxusboulevard“ eröffnen – mit Dependancen internationaler Marken wie Louis Vuitton, Gucci, Cartier und Bulgari. Von der Karstadt-Krise ist im Flaggschiff des Konzerns nichts zu spüren, im Gegenteil: Die groß angelegte Modernisierung an der Tauentzienstraße läuft ohne Abstriche weiter.

Insgesamt 45 Millionen Euro werden bis zum 100-jährigen Jubiläum des KaDeWe im Jahr 2007 investiert. „Wir waren noch nie weiter von einem herkömmlichen Karstadt-Konzept entfernt als heute“, sagt Geschäftsführer Patrice Wagner. Das KaDeWe solle künftig in einem Atemzug mit berühmten Warenhäusern wie dem Harrods in London oder dem Mutterhaus der Galeries Lafayette in Paris genannt werden. Bis vor zwei Jahren hatte Wagner die Berliner Filiale der Galeries Lafayette an der Friedrichstraße geleitet. „Internationaler, luxuriöser und jünger“, lauten die wichtigsten Schlagworte im KaDeWe-Modernisierungsplan. Ein wenig relativiert Wagner diese Begriffe allerdings: Neben Luxusartikeln werde es weiterhin auch Sonderangebote und Waren im mittleren Preissegment geben. Mit 60 000 Quadratmetern Verkaufsfläche auf acht Etagen ist das KaDeWe das zweitgrößte Warenhaus in Europa (nach Harrods mit 75 000 Quadratmetern).

Zum „Teenager-Kaufhaus“ werde sein Haus sicher nicht, stellt Wagner klar. Mit der Verjüngung meint er etwas anderes: Viele ältere Kunden haben ihr Kaufverhalten geändert, sie greifen zum Beispiel auch mal zu einem Designer-T-Shirt oder hochwertigen Jeans. Auch die internationale Ausrichtung des KaDeWe soll noch verstärkt werden. Von den durchschnittlich 40 000 Besuchern pro Tag sind 30 Prozent Touristen, die je zur Hälfte aus dem In- und Ausland stammen.

Gerade Ausländer seien das Konzept eines „Department-Stores“ mit eigenen Verkaufsflächen von Modedesignern und Luxusanbietern längst gewohnt, sagt Wagner. „Das ist in Tokio oder London ganz normal.“ Bisher hat das KaDeWe nur fünf Prozent seiner Fläche auf diese Weise untervermietet, künftig soll der Anteil aber auf 20 Prozent steigen. Der Umbau bedeutet für viele Abteilungen einen Umzug in eine andere Etage. Manche Angebote müssen weichen: Die Stoff- und Teppichabteilung wurde aus Platzgründen in die Passauer Straße ausgelagert, und das „Wiener Café“ schloss bereits im Mai. Verkleinert wird das hauseigene Reisebüro. Weitgehend unverändert bleibt die berühmte Feinschmecker-Etage im sechsten Stock. Denn die europaweit größte Feinkostabteilung mit 33 000 Produkten und 7000 Quadratmetern Fläche gehört zu den großen Gewinnbringern im KaDeWe. Was gut laufe, müsse nicht stark verändert werden, findet Geschäftsführer Wagner.

Auch insgesamt schreibt das KaDeWe nach wie vor schwarze Zahlen. Der Umsatz stieg lange deutlich an – von 230 Millionen Euro im Jahr 1996 auf rund 350 Millionen Euro im Jahr 2001. Seither sind die Einnahmen allerdings wieder um zwei Prozent gesunken. Auch dies zeigt dem Chef, dass die Modernisierung durchaus nötig ist.

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