Kato-Club in Kreuzberg : Musikerin hungert gegen die Kündigung

Weil der ehemalige Kato-Club am Schlesischen Tor umgebaut wird, sollen alle Musiker raus. Drei Bands fühlen sich betrogen und weigern sich - eine Sängerin ist im Hungerstreik.

Christian Helten

Eigentlich müsste der Kellerraum unter dem ehemaligen Punk-Club Kato längst leer sein. Die Schlagzeug-Sets dürften hier nicht stehen, der Kontrabass nicht und die Gitarrenverstärker und das Keyboard ebenfalls nicht. Die Mietverträge für die Proberäume unter dem U-Bahnhof Schlesisches Tor wurden bereits gekündigt, nachdem das Kato schließen musste. Die meisten der 80 Musiker, die sich die insgesamt vier Räume teilten, sind schon weg.

Drei Bands weigern sich aber zu gehen und werden von den neuen Mietern, den Betreibern der Clubs Lido und Astra Kulturhaus, nur noch bis zum heutigen 30. November geduldet. Die neuen Mieter wollten dort, wo 20 Jahre lang Bands geprobt haben, den Backstagebereich für ihren neuen Club einrichten. „Der bisherige Backstageraum kann nicht bleiben, weil dort ein Notausgang gebaut werden muss“, sagt Lido-Chef David Gruber. Außerdem verbiete sein Mietvertrag, die Kellerräume unterzuvermieten.

Isabel Nagy, die Sängerin der Band Transsylvanians, will aber noch nicht aufgeben. Sie hängt an dem Keller, der ihrer Band 15 Jahre lang ein Zuhause war. Vor zwei Wochen hat sie sogar einen Hungerstreik begonnen, damit sie bleiben darf. „Anders wusste ich mir nicht mehr zu helfen“, sagt sie.

Ihre Protestaktion ist der Höhepunkt einer sechs Monate währenden Auseinandersetzung. Die Lido-Betreiber hatten angeboten, sich um Ersatzräume für die Bands zu kümmern. Die anvisierten Räume auf dem RAW-Gelände an der Warschauer Straße waren aber teurer als die alten, und der Inhaber entschloss sich letztendlich ohnehin, sie für ein anderes Projekt zu nutzen.

Die Bands fühlten sich betrogen: „Das war nur eine Hinhaltetaktik“, sagt Daniel Bechens, Gitarrist von The Not Amused. Die Lido-Betreiber hätten nach einem Besichtigungstermin auf dem RAW-Gelände auf Mails und Briefe nicht geantwortet und seien zu keinen Kompromissen bereit gewesen, argumentiert er. Sie hätten aber eine Verantwortung gegenüber den Musikern im Kiez und einer „kulturellen Institution“ wie den seit 20 Jahren bestehenden Bandräumen – gerade weil sie als Inhaber zweier Live-Clubs davon profitieren, dass sich die Gegend um das Schlesische Tor in den vergangenen Jahren zu einer Partymeile entwickelt hat.

Gruber ist der Auffassung, dieser Verantwortung nachgekommen zu sein: „Wir waren ja gar nicht in der Pflicht, uns um Ersatz zu kümmern, sondern haben das aus moralischen Gründen gemacht“, sagt er. Die Mails der Bands hingegen seien fast schon erpresserisch gewesen, den aktuellen Hungerstreik findet er völlig unverhältnismäßig.

Trotzdem haben die Lido-Betreiber den Bands ein neues Angebot gemacht. Es gebe jetzt eine feste Zusage für drei Ersatzräume mit Platz für je drei Bands, sagt Gruber. Der Umbau der Räume habe am Montag letzter Woche begonnen, im Januar oder Februar können die Bands sie voraussichtlich beziehen. Das sei zu spät, sagt Nagy und will ihren Hungerstreik nicht beenden. „Das Angebot ist ein kleiner Schritt, aber das Wesentliche bleibt: Unser Raum soll zerstört werden.“

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