Kaufkraft : Das Geld sitzt im Speckgürtel

In Potsdam steigt die Kaufkraft stärker als in Berlin. In vielen anderen Regionen direkt hinterm Stadtrand liegt sie bereits höher

Andreas Wilhelm
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Um Berlin herum ist es herrlich rot. Je weiter man sich von der Hauptstadt entfernt, desto mehr verblasst die Farbe, und in der Region um Potsdam liegt von Violett bis Gelb ein bunter Flickenteppich. Was die Karten der Nürnberger Marktforschungsgesellschaft GfK-Geomarketing veranschaulichen, sind die Kaufkraftzahlen in den einzelnen Regionen. Demnach haben die Einwohner der Kreise, die an die Hauptstadt grenzen, das meiste Geld in der Tasche. „Im Umland nimmt die Kaufkraft auf dem Niveau des Bundesdurchschnitts zu“, sagt Udo Radtke, Einzelhandelsexperte bei dem Unternehmen. „Teilweise liegen die Zuwachsraten sogar noch darüber.“

Die Kaufkraft beschreibt den Geldbetrag, der sich aus allen Einkünften eines Haushaltes zusammensetzt, auch aus eventuell zu beziehenden staatlichen Leistungen wie Arbeitslosengeld, Kindergeld oder Rente. Regelmäßige Ausgaben wie Miete, Kreditraten und Sparrücklagen sind dabei allerdings nicht berücksichtigt. Der Kaufkraftwert ist zum Beispiel für Handelsverbände, Unternehmen und Kommunen interessant. Sie orientieren sich daran bei Standortentscheidungen und Ansiedlungen.

Auch wenn Brandenburg unter dem Bundesdurchschnitt liegt – die Metropole im Zentrum macht das Land zum Kaufkraft-Sieger im Osten. Rund 16 300 Euro hat laut GfK-Studie jeder Brandenburger im Jahr 2008 zum Ausgeben übrig, eine Steigerung um elf Prozent seit 2002. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Verbraucher in Thüringen hat nach dieser Berechnung 750 Euro weniger, Sachsen-Anhalt liegt sogar um über 1000 Euro pro Einwohner und Jahr zurück. National betrachtet sitzt aber auch bei den Brandenburgern das Geld nicht allzu locker: Der Bundesdurchschnitt liegt 2500 Euro höher.

Je mehr man in die märkischen Regionen eintaucht, desto unterschiedlicher stellt sich das von GfK errechnete Shopping-Potenzial dar. Wo in beliebten Vorstadtorten wie Dahlwitz-Hoppegarten (Märkisch-Oderland), Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) oder Glienicke (Oberhavel) der sogenannte Kaufkraft-Index teilweise ein Viertel über dem Bundesmittel von 100 liegt, sinkt dieser Wert, je weiter man sich von der Metropole entfernt. Am Berliner Stadtrand, wo Köpenick an Märkisch-Oderland grenzt, ist der Indexwert mit 120 bis 128 punktuell genauso hoch wie im wohlhabenden Grunewald. Peripherie-Landkreise wie die Uckermark und die Prignitz bekommen vom Institut den Indexwert 80 bis 88 bescheinigt. Elbe-Elster und Oberspreewald-Lausitz erreichen nur noch eine Kaufkraft von 77,4.

Potsdam hingegen erreicht in der Gesamtbetrachtung zwar ebenfalls lediglich einen Indexwert von 93,6 und eine Kaufkraft pro Kopf von 17 534 Euro. Was den Zuwachs angeht, ist Potsdam jedoch besser als die Bundeshauptstadt: Im Vergleich zu 2007 sollen es dieses Jahr pro Kopf 500 Euro mehr sein. Der Durchschnittsberliner kommt lediglich auf 400 Euro mehr. 700 Euro sind es bundesweit.

Bei genauerem Hinsehen fällt zudem auf, dass es in Potsdam ein deutliches Wohlstandsgefälle gibt. Im Norden der Stadt, nahe der Glienicker Brücke etwa und rund um das Zentrum, leben den GfK-Angaben zufolge Menschen, die im Schnitt fast ein Viertel mehr zum Shoppen übrig haben (20 366 Euro) als der Durchschnittsbürger am Stern und in Drewitz (16 438 Euro).

Diese markanten Zahlen sind für den Handel unerlässlich, wie Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer vom Einzelhandelsverband Berlin-Brandenburg, betont. Nicht etwa um die Geschäfte reihenweise in jene Regionen zu verpflanzen, wo der Rubel rollt. „Dann wäre es schnell vorbei mit der Idylle und somit auch der kaufkräftigen Klientel.“ Anhand der jährlichen Marktforschungen aber wisse der Handel, wohin er das schicken muss, was eigentlich die wenigsten in ihren Briefkästen finden wollen: Werbung.

Obwohl Brandenburg, wie alle neuen Bundesländer, um rund 15 Prozent hinter der deutschen Durchschnittskaufkraft liegt, „fand während der letzten sechs Jahre ein Angleichungsprozess statt“, heißt es bei der GfK. Die Menschen werden’s gern hören. Andreas Wilhelm

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