Berlin : Kaulsdorfer Kirchturm wächst himmelwärts

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Normalerweise geht es an der Kaulsdorfer Dorfstraße eher beschaulich zu. Doch gestern war alles anders: kein Durchkommen, kein Parkplatz - dafür Menschen über Menschen. Ein wichtiges Ereignis für die evangelische Jesuskirche, deren Kernbau aus dem 13. Jahrhundert stammt, zog die Leute an: Der Turm sollte seine neogotische Spitze und Kaulsdorf somit sein Wahrzeichen zurückerhalten.

Schon lange vorher war die neue, achteckige Spitze von Schaulustigen umlagert. Doch die Handwerker ließen sich von dem Getümmel nicht beeindrucken. Hier und da wurde noch etwas gerade gerückt oder gedreht. Und als dann auch die Generalprobe klappte, indem sich die zwölf Tonnen schwere Spitzen-Last problemlos etwa einen Meter hob, lächelte auch Pfarrer Klaus Petschelt zufrieden. Für ihn war dieser Tag etwas ganz Besonderes, der Höhepunkt seiner Amtszeit, wie er sagte. Seit er Kaulsdorfer Pfarrer ist - und das schon seit 23 Jahren - hatte er einen Traum: dass sein Gotteshaus wieder von einer Turmspitze geschmückt wird, so wie von 1875 bis zur Zerstörung durch Artilleriefeuer im Jahre 1945. Seither wurde der Turm von einem provisorischen Dach abgeschlossen.

Die Verwirklichung des Pfarrer-Traums nahm Konturen an, als der Hellersdorfer Spirituosen-Fabrikant Sergej Schilkin im vorigen Jahr gemeinsam mit der örtlichen Wohnungsbaugesellschaft und dem Heimatverein eine Spendenaktion ins Rollen brachte. Obwohl die neue Turmspitze auch in der eigenen Gemeinde umstritten war, kam fast eine halbe Million Mark an Spendengelder zusammen. "Es ist einfach toll, dass sich so viele Menschen beteiligt haben, manche wohnen sogar außerhalb von Berlin", sagte der Pfarrer. Viele der Spender kamen zum gestrigen Richtfest. Auch Anita und Achim Salmanzig aus dem Pankower Ortsteil Buch waren dabei, die sich vor 49 Jahren in der Kaulsdorfer Kirche das Jawort gaben. Ihr Urteil über die aus Lärchenholz gebaute Spitze: "Wunderbar."

Als dann kurz nach 13 Uhr der Kran die 13 Meter hohe, schiefergedeckte Turmspitze fast 20 Meter nach oben hievte, klatschten die Zuschauer Beiall. Nach dem Aufsetzen wurde die Spitze allerdings nur provisorisch verankert. Der Rest wird heute vollendet, erläuterte Bau- und Spendenkoordinator Joachim Klee. Bis Oktober sollen dann der gesamte Turm saniert und die sogenannte Hochzeitspforte wieder in alter Schönheit erstrahlen.

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