Berlin : Kein Aufkleber, keine Einreise

Ab 2008 dürfen Autofahrer nur noch mit einer speziellen Plakette in die City Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um die neue Regelung

Stefan Jacobs

Die Umweltzone kommt – und betrifft alle, die ab nächstem Jahr mit dem Auto in die Berliner Innenstadt fahren wollen. Deshalb sollen hier schon jetzt die wichtigsten Fragen dazu beantwortet werden.

Was ist die Umweltzone?

Zur Umweltzone wird ab dem Jahr 2008 das 88 Quadratkilometer große Gebiet innerhalb des S-Bahn-Rings erklärt. Schilder an den Einfahrtsstraßen machen die Autofahrer darauf aufmerksam, dass nur Fahrzeuge mit zuvor gekauften Plaketten hineinfahren dürfen. Rechtliche Basis ist eine Bundesverordnung, die zurzeit vom Senat für Berlin aufbereitet wird. Andere Großstädte bereiten ähnliche Beschränkungen vor. Wichtigstes Ziel ist die Verbesserung der Luftqualität.

Wer darf noch in die City fahren?

Alle, in deren Windschutzscheibe eine rote, gelbe oder grüne Plakette klebt. Das gilt für Bewohner der Innenstadt ebenso wie für Auswärtige – egal, ob Umländer oder Ausländer. Betroffen sind Autos und Lastwagen, nicht aber Motorräder und Mopeds. Und: Wer gar nicht in die City fahren will, braucht keine Plakette.

Wer bekommt welche Plakette?

Das hängt von einer Ziffer im Fahrzeugschein ab und ist recht unübersichtlich. Die meisten Fälle lassen sich unter www. adac.de im Internet nachlesen. Faustregel: Benziner mit geregeltem Katalysator (ca. ab Baujahr 1988) und Diesel, die mindestens die Abgasnorm Euro II erfüllen (ca. ab Mitte der 90er Jahre) bekommen eine Plakette. Bei den Benzinern gibt’s in der Regel grün, bei Dieseln mit Euro II rot, mit Euro III gelb und mit Euro IV und/oder Rußpartikelfilter grün.

Wo und ab wann sind Plaketten erhältlich?

Die Plaketten sollen etwa ab April in den Kfz-Zulassungsstellen und den rund 800 Werkstätten erhältlich sein, die Tüv und Abgasuntersuchung anbieten. Wer seinen Fahrzeugschein vorlegt, soll die Aufkleber gleich mitnehmen können.

Welche Kosten entstehen?

Zehn Euro sind als Gebühr im Gespräch, die Forderung des ADAC nach Gratis-Abgabe scheint chancenlos. Dafür gilt die Plakette ein Autoleben lang – sofern nicht zwischendurch die Frontscheibe erneuert wird.

Sind Ausnahmen geplant?

Ja, aber viele Details sind noch offen. Sicher sind Ausnahmen für Schwerbehinderte und für öffentliche Fuhrparks. Weitere Sonderregelungen, etwa für gewerblich genutzte Oldtimer (z.B. Hochzeitsautos), werden zurzeit geprüft. Einen generellen Freifahrtschein für Oldies lehnt die Verwaltung aber ab – trotz heftiger Proteste Betroffener. Ebenso offen ist, ob und wie Härten beispielsweise für Kleinbetriebe vermieden werden, die auf ihren alten Lieferwagen angewiesen sind.

Gibt es eine Übergangsfrist?

Der ADAC fordert, die Plakette einfach bei der ohnehin alle zwei Jahre vorgeschriebenen Abgasuntersuchung auszugeben. Würde man Mitte 2007 damit beginnen, wären Mitte 2009 alle versorgt. Darauf will sich die Verwaltung nicht einlassen: „Der Stichtag gilt.“

Was ist mit Kontrollen und Verstößen?

Auf jeden Fall wird die Polizei Ausschau halten, möglicherweise auch die Ordnungsämter. Ohne Plakette sind 40 Euro und ein Punkt in Flensburg fällig.

Wie werden ausländische Autos eingestuft?

Die Verwaltung verteilt über die Kfz-Innung eine Liste, aus der die Werkstätten anhand des Zulassungsdatums für jedes Auto die Schadstoffnorm und die zugehörige Plakettenfarbe ermitteln können.

Wie viele Fahrzeuge werden ausgesperrt?

Laut Verwaltung sind 70 000 der rund 1,3 Millionen Berliner Autos und 29 000 von 106 000 Lastwagen betroffen. Viele lassen sich aber mit Rußfiltern nachrüsten.

Lohnt der Aufwand überhaupt?

Die Autolobby verneint, weil der Straßenverkehr nur einen Teil zur Luftverschmutzung beitrage und Fahrverbote sozial ungerecht seien. Aber: Ein Benziner ohne Kat stößt rund zehnmal mehr Stickoxide und Kohlenwasserstoffe aus als einer mit Kat. Ähnlich ist die Rußbilanz beim Diesel ohne und mit Partikelfilter.

Warum gibt es drei Plakettenfarben?

Weil 2010 die Regelung verschärft werden soll: Dann dürfen nur noch „grüne“ Autos rein.

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