Berlin : Kein Geld: Schleichender Niedergang der Berliner Parks

EVA-MARIA VOCHAZER

BERLIN .Ausgedehnte Parks und Grünflächen prägen neben kulturellen Angeboten das touristische Bild der Stadt.Auch die Berliner selbst legen auf Grünanlagen großen Wert.Doch die Anlagen werden immer weniger gepflegt, weil in den letzten Jahren die öffentlichen Ausgaben für die Grünflächen drastisch zusammengestrichen wurden.Umweltsenator Peter Strieder (SPD) schlug jetzt vor, Stellen zur Parkpflege mit ABM-Kräften zu besetzen, die sich während der Arbeit fachlich qualifizieren sollen."Damit wird der Berufsstand des Gärtners abgebaut", kritisiert Elke Hube, Leiterin des Spandauer Naturschutz- und Grünflächenamtes.

Die Misere bei der Pflege der Berliner Parks ist bei Personal- und Sachausgaben gleichermaßen zu spüren.Ein Beispiel aus Charlottenburg: Im Haushaltsjahr 1999 werden Gartenamtsleiterin Doris Fath rund 1,2 Millionen Mark an Sachmitteln zur Verfügung stehen."Damit liegen wir in Berlin an vorletzter Stelle, dahinter kommt nur noch Wedding", sagte Fath.Mit diesem Etat werden nicht nur touristische Aushängeschilder wie Schloß- und Lietzenseepark gepflegt.Auch der großflächige Jungfernheidepark, innerstädtische Plätze wie Savigny- oder Sophie-Charlotte-Platz und die ausgedehnten Friedhöfe sind darin enthalten.Anfang der 90er Jahre lag der Etat noch bei acht Millionen Mark.Zum gleichen Zeitpunkt kümmerten sich 310 Fachkräfte um das Grün.Heute sind es noch 190.

"Wir haben in Berlin 17 Prozent Arbeitslosigkeit, und diese Leute müssen wir dort in Arbeit bringen, wo sie dringend benötigt werden", argumentierte Peter Strieder.Mit Arbeitsfördergeldern, Lohnkostenzuschüssen und umgewidmeten Mitteln für Sozialhilfe sollen Arbeitslose nach Vorstellung Strieders auch im Bereich Grünpflege eingesetzt werden."Unter fachlicher Aufsicht können sich diese Beschäftigten dann qualifizieren", schlug der Umweltsenator vor.Dies müsse auch mit längerfristiger Perspektive geschehen.

"Der Ausbildungsberuf des Gärtners dauert nicht umsonst drei Jahre", hält Elke Hube dagegen.Es gehe darum, Arbeit als solche zu erkennen."Der Laie steht vorm Baum und findet ihn schön, der Fachmann erkennt Totgehölze, die entfernt werden müssen." Aber auch in Spandau werden zur Zeit ABM-Kräfte eingesetzt, die den Gutspark in Neu-Kladow pflegen.Der Vorarbeiter ist Gärtner.

Grünflächenamtsleiter aller Bezirke warnen indes vor den langfristigen Folgen der Sparmaßnahmen.Heinz Nabrowsky in Hohenschönhausen etwa befindet sich in einer paradoxen Lage: Der Bezirk hatte durch die neugeschaffene Parklandschaft Barnim zwar einen erheblichen Flächenzuwachs bei den Grünflächen, gleichzeitig aber 50 Prozent Kürzungen im Grünetat.Die Sauberkeit in den Parks sei nur schwer zu leisten.Gefahrenstellen durch tote Gehölze hoch in den Baumwipfeln können nur schwierig beseitigt werden."Unsere einzige Hubbühne stammt aus dem Jahr 1983 und ist häufig kaputt", sagte Nabrowsky.

Auch im Charlottenburger Schloßpark werden alte Gehölze, die auf Fußgänger fallen könnten, nicht sofort entfernt.Im nächsten Jahr soll die Bewässerung im Sommer aus Geldmangel drastisch zurückgefahren werden.In Spandau leidet die Pflege der Grünstreifen an Straßen.Wird ein Straßenbaum bei einem Autounfall beschädigt, kann er zur Zeit nicht nachgepflanzt werden.In Tiergarten hangelt sich das Grünflächenamt nach Auskunft von Baustadtrat Horst Porath "von Engpaß zu Engpaß."

In Zeiten knapper Kassen bleibt bei der Parkpflege auch die Ökologie auf der Strecke.Aus Personalmangel werden in Spandau verstärkt Maschinen zur Grasmahd eingesetzt."Das spart zwar Mittel, vernichtet aber Kleinlebewesen", klagte Elke Hube.

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