Berlin : Keine Experimente

Michelin-Sterne für „Fischers Fritz“ und „Vivo“

Bernd Matthies

Alljährlich im November spricht das Karlsruher Orakel seine Urteile über die Arbeit der besten deutschen Küchenchefs – und stets liegen Freude und Enttäuschung dicht beieinander. So auch diesmal: Am gestrigen Montag hat der Michelin-Verlag die neue Ausgabe seines „Guide Rouge“ vorgestellt, und Berlin wird dabei im Rahmen der Erwartungen bedacht: Die Restaurants „Fischers Fritz“ im Regent-Hotel (Küchenchef Christian Lohse) und „Vivo“ im Hotel Esplanade (Renée Conrad) erhalten einen Stern. Außerdem wird der „Bieberbau“ mit dem niedriger angesiedelten „Bib Gourmand“ für gute Küche zum vernünftigen Preis ausgezeichnet. Andere renommierte Küchenchefs, die seit Jahren als Kandidaten gehandelt werden, gehen erneut leer aus.

An den bisher für die Berliner Restaurants vergebenen Sternen – insgesamt sind es jetzt neun – hat sich nichts verändert: Lorenz Adlon, Quadriga, Facil, First Floor, Hugos, Margaux und Vau sind weiter dabei, zwei oder drei Sterne gibt es nicht. Zum Vergleich: Hamburg hat zehn Sterne-Restaurants, darunter einen Anwärter auf einen zweiten; Stuttgart hat ein Zwei-Sterne-Haus und sieben Küchen mit einem Stern, darunter einen Zwei-Sterne-Anwärter. In Berlin haben die Tester auch keinen weiteren Hoffnungsträger für einen oder zwei Sterne ausmachen können. München bringt es auf insgesamt sieben, Düsseldorf auf sechs Sterne. Insgesamt bedeutet das für Berlin also den dritten Platz unter den deutschen Großstädten.

Dies zeigt deutlich, dass sich die konservative Linie des renommierten Führers in Deutschland auch unter der neuen Chefredakteurin Juliane Caspar nicht geändert hat. Bekannte Küchenchefs aus dem Avantgarde-Lager, beispielsweise Tim Raue vom „44“, Bruno Pellegrini („Ana e Bruno“) oder der aufstrebende Thomas Kellermann („Vitrum“) bleiben weiterhin unverständlich ohne Stern. Beim konkurrierenden Gault-Millau-Führer haben die Berliner Köche insgesamt viel mehr Rückhalt: Thomas Kammeier vom „Hugos“ ist dort soeben mit 18 von 20 Punkten an die Seite von Matthias Buchholz („First Floor“) gerückt, der schon länger mit dieser Note ausgezeichnet ist. Beide gehören damit zur engeren deutschen Spitze.

Ebenso ist die Lage in Brandenburg: Oliver Heilmeyer von der „Bleiche“ in Burg ( 17/20 bei Gault-Millau) wird vom Michelin ignoriert, ebenso Dirk Güttes und Gottfried Specker in Potsdam. Wie bisher gibt es nur zwei Michelin-Auszeichnungen im Berliner Umland: Den Stern für das „Bayerische Haus“ und den „Bib Gourmand“ für Carmens Restaurant in Eichwalde.

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