Berlin : Keine Stimme für niemand

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Sie ist links, aber die SPD ist ihr nicht links genug. Der PDS traut sie nicht, und die Grünen kann sie "wegen Afghanistan" nicht mehr wählen. Deshalb hat die Uni-Dozentin ihre Wahlzettel in Kreuzberg einfach leer abgegeben. Nichtwählen kam nicht in Frage, weil eine niedrige Wahlbeteiligung den Rechten hilft. Nichts ankreuzen, alles durchstreichen oder Parolen statt Kreuzchen: So machten es in Friedrichshain-Kreuzberg 2,3 Prozent der Wähler mit ihren Erststimmen für das Abgeordnetenhaus. Landesweit wählten 2,2 Prozent (Zweitstimmen: 1,7 %) ungültig, rund 0,5 Prozent mehr als 1999.

Ausreißer-Bezirk ist Treptow-Köpenick, wo am Sonntag 3,8 Prozent ungültig wählten, 1999 waren es nur 0,9. Bezirkswahlleiter Peter Schuld wundert sich: "Die Stimmzettel waren selten so kurz und übersichtlich - wie kann man da ein Kreuz zu viel machen?" Unter den Ungültig-Wählern seien zweifellos viele Protestler.

Nichtwähler-Hochburg ist in Marzahn-Hellersdorf der Wahlkreis 7 (Zossener Straße, Stadtteilzentrum, Hönow-West). Dort gingen nur 51,9 Prozent wählen. In der Anonymität einer Großsiedlung sei es schwer, einen mobilisierenden Wahlkampf zu machen, sagt Bezirksbürgermeister Uwe Klett (PDS). Außerdem dominiere dort seit 1990 die PDS, andere Parteien schienen die Gegend aufgegeben zu haben. Im Nachbar-Wahlkreis (Kaulsdorf, Mahlsdorf) dagegen wählten 73,3 Prozent. Das sei das Ergebnis des Kampfes zwischen Gregor Gysi (PDS, 51) und Mario Czaja (CDU, 27,8 Prozent) und der "sehr sachorientierten" Auseinandersetzung um Themen wie Straßenausbau und Kanalisation, die die Eigenheimbesitzer im Siedlungsgebiet mobilisierten.

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