Berlin : Kiezmuffel!

Ariane Bemmer

fordert mehr Reisefreudigkeit bei den Berlinern Zahlen lügen nicht. Im Auftrag von Bund und Ländern ermittelte ein Münchner Büro, dass es 2004 fast 100 Millionen Tagesausflüge nach Berlin gab. Wovon allerdings die Hälfte die Berliner selbst unternahmen. Was auf eine fast schon dramatische Trägheit hinweist. Ein Tagesausflug ist nämlich laut der Welt-Tourismus-Organisation jede Bürgerbewegung, bei der der eigene Bezirk verlassen wird, die keine Übernachtung nach sich zieht, die nicht dem Kauf von Dingen des täglichen Bedarfs dient, die keine regelmäßige Tätigkeiten betrifft oder Pendlerfahrten. Also praktisch alles, was Freizeitgestaltung ausmacht. Und da kriegen drei Millionen Berliner in einem Jahr gerade einmal 48,5 Millionen Tagesausflüge zustande? Das sind ungefähr 16 pro Person im Jahr, nicht mal zwei im Monat. Was machen die Berliner bloß die ganze Zeit? Schlurfen in ihren Kiezen herum! Dackeln in dieselben Läden! Baden in denselben Bassins! Es ist eine Tragödie! Nur eines ist gut an den neuen Zahlen. Sie liefern für manche nicht so wohl gelittene Tätigkeit neue Argumente. „Ich mache einen Tagesausflug“, ruft man und verlässt das Haus – und fährt zum Shoppen am Potsdamer Platz.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben