Berlin : Kiezstreifen sind brav zu Hunden

Halter, deren Tier die Straße verschmutzt, werden nur äußerst selten belangt

Rainer W. During

Mit rund 150 000 Vierbeinern ist Berlin auch bei den Hunden die Hauptstadt. Aufgeschichtet würden ihre Häufchen täglich einen Berg von nahezu 60 Tonnen ergeben, so Bernd Müller von der Stadtreinigung. Nur wenig davon wird von den Haltern entsorgt. Denn die Gefahr, ertappt zu werden, ist trotz der neuen Kiezstreifen gering. Und im Gegensatz zu anderen Städten sind die Strafen für ertappte Sünder gering.

Der Versuch der neuen Kiezstreifen in den Bezirken, gegen die Verursacher vorzugehen, scheitert oft. „Wir können ja nicht hinter den Bäumen lauern“, sagt Wolfgang Mauermann, Chef des Ordnungsamtes Lichtenberg. Die Uniformierten seien für die Hundehalter meist von weitem sichtbar. Und wer tatsächlich auf frischer Tat ertappt wird, kann nicht zur Kasse gebeten werden, wenn er den Haufen doch noch entfernt.

So ist die Zahl der festgestellten Verstöße eher bescheiden. In Spandau kamen von Januar bis Juli auf 1102 mündliche Belehrungen nur 48 gebührenpflichtige Verwarnungen. In Charlottenburg-Wilmersdorf gab es im vergangenen Monat acht Fälle. In Lichtenberg gab es in einem Jahr lediglich 45 Vorgänge. Für Amtsleiter Mauermann ist dies dennoch ein Erfolg. 2003, als solche Ordnungswidrigkeiten noch zentral bearbeitet wurden, gab es in ganz Berlin nur 71 Verfahren.

Obergrenze des Verwarnungsgeldes sind bundesweit 35 Euro. Mehr hat ein Hundehalter in Berlin im Regelfall nicht zu befürchten. In anderen Städten geht man strenger vor. Landet in Hamburg (40 000 Hunde) der Haufen beispielsweise in einem Buddelkasten, sind 150 Euro Bußgeld fällig. In München (27 000 Hunde) gibt es grundsätzlich ein Bußgeldverfahren mit Strafen zwischen 75 und 500 Euro. Die Zahl der ertappten Sünder ist aber auch dort klein. 2003 gab es 336 Vorgänge wegen Verschmutzungen oder Beschädigungen; über den Anteil der Hundehalter gibt es keine Statistik.

Weil die Haufen in Berlin auch für die Besucher ein Ärgernis sind, wünscht sich Hanns Peter Nerger mehr Engagement des Senats. Der Chef der Berlin Tourismus Marketing GmbH, fordert unter anderem die verstärkte Aufstellung von Tütenbehältern und die häufigere Leerung von Abfallbehältern. In Hamburg, wo sie kostenlos abgegeben werden, sind die Tüten ein Renner. Sie gibt es nicht nur an 58 stadtweit verteilten „Dog Stations“ mit integriertem Abfallbehälter und auf den Recyclinghöfen der Stadtreinigung. Auch in 68 Hamburger Drogeriemärkten sind die Tüten zu haben; dort wurden allein in der ersten Hälfte 2005 knapp 3,8 Millionen Stück ausgegeben. Besonders rund um die Parks ist die Zahl der Häufchen merklich zurückgegangen. In München brachte ein Versuch in fünf Grünanlagen mit Hundewiesen und Tütenspendern nur im Ostpark positive Erfahrungen, so Jürgen Marek vom Baureferat.

In Berlin gibt es unterschiedliche Erfahrungen. „Weil die Beutel häufig für andere Zwecke missbraucht wurden, wurde das Projekt nicht ausgedehnt“, sagt Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) aus Charlottenburg/Wilmersdorf. Die rund 40 Spender in Mitte werden dagegen „gut angenommen“, so Dezernent Dirk Lamprecht (CDU). In Reinickendorf ist vor einigen Jahren ein Pilotversuch der BSR gescheitert.

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