Kinder als Rauschgifthändler : Berlin wird Dealer-Familien nicht los

Niemand will die Dealer-Familien. Auch Libanon und die Türkei weigerten sich diese Menschen aufzunehmen. "Jetzt müssen wir wenigstens die Kinder retten", sagte Innensenator Ehrhart Körting dem Tagesspiegel.

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Alltag der Drogenfahnder. Oft gleicht der Einsatz einem Katz-und-Maus-Spiel.
Alltag der Drogenfahnder. Oft gleicht der Einsatz einem Katz-und-Maus-Spiel.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Berlin tut sich schwer, die Probleme mit dealenden Kindern in den Griff zu bekommen. Dies bestätigte Innensenator Ehrhart Körting (SPD) im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Alle Bemühungen, kriminell gewordene Familien abzuschieben, seien gescheitert. Sowohl der Libanon als auch die Türkei weigerten sich, diese Menschen aufzunehmen. „Wir werden diese Leute nicht los“, sagte Körting. „Deswegen müssen wir versuchen, wenigstens die Kinder zu retten.“

Der Sozialdemokrat betonte zur Debatte über geschlossene Heime, er wolle nicht zurück zu den „Kinderknästen der 70er Jahre“. „Ich möchte Heime, aus denen die Kinder nicht weglaufen können und nicht wie bei einer Drehtür rein- und wieder rausgehen können.“ Hintergrund sind Fälle wie der eines Elfjährigen, der offenbar von organisierten Drogenhändlern als Dealer missbraucht wird, weil Kinder unter 14 Jahren strafunmündig sind. Bereits elf Mal hat ihn die Polizei beim Drogenhandel erwischt. Da er strafrechtlich nichts zu befürchten hat, verkauft er weiter Drogen. Nachdem er am Dienstag in ein Heim im Berliner Bezirk Hohenschönhausen gebracht worden war, riss er aus. Die Polizei hatte ihn am Mittwoch in Kreuzberg aufgegriffen, am Donnerstag verschwand er erneut.

Der elfjährige Palästinenser sei jedoch „ein absoluter Einzelfall“, sagte Körting, und nach Erkenntnissen der Behörden über den Landweg nach Berlin gekommen. Das gelte auch für die insgesamt 160 unbegleiteten Minderjährigen, die 2009 nach Berlin kamen. Nach Darstellung des Innensenators verlange der Libanon am Flughafen bei Kindern sowohl einen Begleiter als auch ein gültiges Einreisevisum. Europaweit würden aber solche Visa nicht erteilt, betonte Körting, der klar stellte: Nicht illegal eingeschleuste Kinder seien das Problem beim Drogenhandel auf Berliner Straßen. Von den 26 Kindern (darunter der Elfjährige), die 2010 von der Polizei beim Drogenhandel festgenommen wurden, hätten vielmehr 20 die deutsche Staatsangehörigkeit und lebten bei ihren Eltern. Diese seien ebenso libanesisch-kurdischer Abstammung wie die Eltern der anderen fünf Kinder, die keine deutsche Staatsangehörigkeit haben. Nach Körtings Angaben würden diese Kinder von Eltern mit dem Drogenhandel beauftragt. Dabei werde ihnen eingeschärft, falsche Altersangaben zu machen. Dagegen widersprach der Innensenator der Darstellung, wonach Kinder aus dem Ausland mit dem Flugzeug nach Deutschland geschickt würden, um hier als Strafunmündige mit Drogen zu handeln.

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