Berlin : „Kindern nicht zuviel zumuten“ Was ein Experte sagt

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Darf sich ein siebenjähriger Junge abends alleine in einem Kaufhaus aufhalten? Ist es normal, einem Kind in diesem Alter zu erlauben, erst um 20.30 Uhr nach Hause zu kommen – dazu noch allein mit der SBahn vom Alexanderplatz nach Moabit?

Georg Kohaupt, Familienberater vom Kinderschutzzentrum Berlin, sagt, dass es keine allgemeingültigen Vorschriften dafür gibt, wann ein Kind sich allein in der Stadt bewegen kann. Es komme auch immer darauf an, wie gut sich ein Kind in der Welt zurechtfindet, wie mutig es ist, was es sich selbst zutraut. „Doch der Fall des Siebenjährigen ist jenseits der Norm“, sagt Kohaupt.

Die Tatsache, dass der siebenjährige Norbert mit einem fremden, 17-jährigen Jungen in ein Heim für betreutes Wohnen mitgegangen ist und dort zwei Nächte schlief, macht Kohaupt stutzig. „Hier scheint mir das soziale Umfeld, in dem der Junge aufwächst, eine wichtige Rolle zu spielen.“ Der Fall zeige, dass Norberts Bindung zur Mutter nicht sehr ausgeprägt ist. „Er hat wohl weder an seine Mutter gedacht noch im Kopf gehabt, dass sie sich um ihn sorgen könnte, wenn er über Nacht wegbleibt.“

Grundsätzlich rät Kohaupt Eltern dazu, ihr Kind zur Eigenständigkeit zu ermutigen. Das sei aber in einer Großstadt wie Berlin für die Erziehenden nicht einfach. Einerseits lockt die Stadt mit vielen Angeboten für Kinder, andererseits haben die Eltern Angst davor, dass ihren Sprösslingen etwas passieren könnte. Im Alter von sieben Jahren sollte man ihnen allerdings nicht zu viel Selbständigkeit aufbürden. tabu

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