Berlin : Kirchenkampf

Friedhard Teuffel

Christentum bedeutet Entscheidung – mit diesen Worten beginnt Dietrich Bonhoeffer im Alter von 25 Jahren seine erste Predigt. In den folgenden 14 Jahren, die ihm bis zu seiner Ermordung im KZ Flossenbürg bleiben, wird Bonhoeffers Entschiedenheit zum herausstechenden Lebensmerkmal. Bedingungslos wählt er das christliche Bekenntnis und schließlich den politischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus.

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Ein Jahr vor Bonhoeffers 100. Geburtstag hat Ferdinand Schlingensiepen eine bemerkenswerte Biografie geschrieben. Er hat neue Quellen ausgewertet und profitiert nicht zuletzt von persönlichen Kontakten zu Weggefährten Bonhoeffers. In unaufgeregtem Tonfall gelingt es ihm, Bonhoeffers Entschiedenheit als Prozess einzufangen. Er zeigt, wie sich dessen Motive im Laufe der Jahre verändert haben. Ging es Bonhoeffer zunächst im Kirchenkampf nach 1933 um Unabhängigkeit der evangelischen Kirche vom Staat, löst er seinen Glauben später von Kirche und Religion. Aus innerkirchlicher Opposition wird politischer Widerstand. Im „Beten und im Tun des Gerechten unter den Menschen“ liegt für Bonhoeffer schließlich der Kern des Glaubens, und Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist. „Bonhoeffer hat mit der ,Welt‘ nicht ein neues theologisches Thema entdeckt; er ist selber in der Wirklichkeit angekommen“, schreibt Schlingensiepen. Seine Biografie geht über Eberhard Bethges Standardwerk teilweise hinaus, das den Wandel Bonhoeffers ebenfalls „vom Christen zum Zeitgenossen“ beschrieben hatte. Schlingensiepen zieht Bonhoeffers Denken nun aus der Nachkriegswahrnehmung heraus in die Gegenwart.

Ferdinand Schlingensiepen: Dietrich Bonhoeffer 1906–1945. Biografie. Verlag C. H. Beck, München. 432 Seiten, 24,90 €.

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