Berlin : Kläglich

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VON TAG ZU TAG

Ariane Bemmer lässt ihre Probleme

nur noch von Rechtsanwälten klären

Vielleicht ist das der Weg aus der Krise: Wir müssen mehr klagen. Das beschäftigt Gerichte und Anwälte, die stellen mehr Leute ein, brauchen mehr Platz, bauen an, die Angestellten haben Bedürfnisse, Kinos und Theater werden voller, Lebensmittelläden und Shopping-Malls entstehen, und da finden sich dann wieder jede Menge Möglichkeiten, jemanden zu verklagen. Wie die Berlinerin, die vier Monate lang täglich eine Tüte Matador Lakritz aß, dann so schlimm an Herz und Kreislauf erkrankte, dass sie arbeitsunfähig wurde, und deshalb den Lakritzhersteller Haribo verklagt hat. Das ist wagemutig. Das hätte ich mich nicht getraut. Aber das ändere ich jetzt:

Neulich bin ich beim Lesen eines langweiligen Buches eingeschlafen und habe deshalb eine Verabredung verpasst – ich werde den Verlag verklagen. Und bei der ersten Radtour habe ich Muskelkater bekommen, mal sehen, ob mir der Fahrradhersteller nicht was schuldig ist, schließlich stand auf dem Rahmen nicht, dass man nicht gleich 30 Kilometer weit fahren soll. Ich bin auf meiner Fußmatte ausgerutscht. Und als ich am Sonntag auf einer Parkbank saß, hatte ich hinterher eine schmutzige Hose. Das muss man doch nicht klaglos hinnehmen, oder? Und meine ausgeleierten T-Shirts will ich auch ersetzt haben, stand nirgends eine Warnung. Und Sie, liebe Leser? Haben Sie vom Zeitunglesen schwarze Finger bekommen? Worauf warten Sie?

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