Klaus Wowereit : Berlins roter Baron

Klaus Wowereit ist in der Berliner SPD eine Art Popstar, und er verbreitet den Eindruck, das müsse reichen. Wahlkampf jedenfalls macht er am Rande auftrumpfender Selbstgewissheit.

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Probleme? Wo denn? Klaus Wowereit, 57, vor einem nicht brennenden Luxuswagen.
Probleme? Wo denn? Klaus Wowereit, 57, vor einem nicht brennenden Luxuswagen.Foto: DAVIDS

Ein Tisch und zwei Stühle. Mehr steht nicht auf der Bühne. Vorn auf der Rampe sitzt Klaus Wowereit und philosophiert über die Frage, was einen Schauspieler von einem Politiker unterscheidet. „Die einen schlüpfen in eine Rolle und lernen Texte auswendig“, sagt Berlins Regierender Bürgermeister. „Das sollten Politiker nie tun.“ Er ist, wie jeden Tag seit Anfang August, auf Wahlkampftour. In der privaten Schauspielschule Charlottenburg, neben dem örtlichen Rathaus, sitzen die jungen Schüler auf den Zuschauerbänken des Proberaums und schauen hinunter auf den Gast im dunklen Anzug.

Gelegentlich habe er Angebote für kleine Gastrollen angenommen, sagt Wowereit. Etwa im Kinofilm „Alles auf Zucker“. Das sei lustig gewesen. „Ansonsten spiele ich nur mich selbst, als Politiker muss man authentisch bleiben.“ Damit hat der SPD-Spitzenkandidat, der am 18. September zum dritten Mal die Abgeordnetenhauswahl gewinnen will, keine Probleme. Er ist so, wie er ist. Seit zehn Jahren regiert der gebürtige Berliner die Hauptstadt mit Zuckerbrot, Peitsche und wechselnden Erfolgen.

Der Berliner Wahlkampf in Bildern
Der Erfolg der Piratenpartei zeigt, welche politische Dynamik die digitale Revolution, das Internet und die sozialen Netzwerken in sich bergen. Die etablierte Politik tut sich damit extrem schwer.Weitere Bilder anzeigen
1 von 32Foto: dapd
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„Selten fielen mir so viele Gegensätze bei einem Politiker auf wie bei Klaus Wowereit“, schreibt die Linken-Politikerin und ehemalige Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner in ihrer jüngst erschienenen Biografie. „Einerseits eine überraschend herzliche Zugewandtheit, andererseits ein Poltergeist, der einen in Senatssitzungen in Minutenschnelle plattzumachen verstand.“ Jetzt dominiert die herzliche Zugewandtheit. Wowereit als Landesvater und Weltbürger, als netter Nachbar, der die Oma an der Hand nimmt oder sich von frechen Kindern mit dem Stoffkrokodil in die Nase zwicken lässt. Das personifizierte Wir-Gefühl. Die Plakate kennt derweil jeder, alle schwarz-weiß. „Ich bin schillernd genug“, sagt der SPD-Mann dazu. Nur Helmut Kohl hat sich im Wahlkampf 1994 einen Schritt weiter getraut. Mit einem Foto, das den Kanzler beim Besuch in Stendal zeigte, ohne ein Wort, nicht einmal CDU stand auf dem Großplakat.

Klaus Wowereit ist eine Kultfigur. Lesen Sie weiter auf Seite 2.

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