Berlin : Kleine Airline trotzt dem Billigtrend

Cirrus steigert Komfort und Preise: Nach Bern vom Flughafen Tempelhof, dessen Zukunft ungewiss bleibt

Klaus Kurpjuweit

Die kleine Fluggesellschaft fliegt gegen den großen Trend. Während immer mehr Airlines in den Billig-Markt drängen, hat die Saarbrücker Cirrus die Preise auf der Verbindung Berlin – Bern jetzt zum Teil kräftig erhöht. Cirrus hat die Strecke von der Schweizer Intersky übernommen, die mit ihrem Konzept der Low-Cost-Flüge hier gescheitert war.

Während Intersky mit Einstiegspreisen ab 35 Euro lockte, liegt das günstigste Angebot bei Cirrus nun bei 99 Euro – ohne Gebühren. Dafür stimme jetzt das Angebot, argumentiert Stefan Buschle von Cirrus. Statt einer langsamen Propellermaschine setzt Cirrus jetzt mit der Dornier Do 328 ein 31-sitziges Düsenflugzeug ein, wodurch sich die Flugzeit von zwei auf rund eineinhalb Stunden verkürzt. Zudem können die Kunden am Miles & More-Programm der Lufthansa teilnehmen. Bordservice ist im Preis ebenfalls inbegriffen.Dies alles rechtfertige den höheren Preis, ist Buschle überzeugt. Bei niedrigeren Tarifen lasse sich die Strecke nicht wirtschaftlich betreiben. Cirrus fliegt ab Tempelhof, hält aber die Optionen für Starts in Tegel offen. Denn der Senat will Tempelhof nach wie vor so schnell wie möglich schließen.

Der Vorschlag des Stuttgarter Architekten Hans-Georg Brunnert, Tempelhof zu einem innerstädtischen Abflug- und Ankunftsterminal auszubauen, der durch eine U-Bahn mit den neuen Start- und Landebahnen in Schönefeld verbunden werden soll, fand gestern im Verkehrsausschuss des Parlaments keine Unterstützung bei den Koalitionsparteien SPD und PDS und den Grünen.

Die Idee sei faszinierend, komme aber zu spät, sagte Flughafenchef Dieter Johannsen-Roth. Für den Ausbau Schönefelds dränge die Zeit, wenn man wie geplant zum Winterflugplan 2010 den Betrieb aufnehmen wolle. Deshalb müssten auch die Bauarbeiten in großem Stil Anfang 2006 beginnen – noch vor der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts zu den anhängenden Klagen.

Wohin das Gericht tendiere, werde man an dessen Eilentscheidung zu dem von den Ausbaugegnern beantragten Bauverbot bis zum Hauptsacheverfahren erkennen, sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Er rechne damit für April. Lässt das Gericht die Arbeitsaufnahme dann zu, führe dies trotzdem zu einem finanziellen Risiko, gab Wowereit zu. Gegenüber dem Schaden, der bei Nichtstun entstehen würde, sei dieses Risiko aber vernachlässigbar.

Auch das endgültige Finanzierungskonzept kann erst erstellt werden, wenn das Gerichtsverfahren abgeschlossen ist. Hier gibt es noch Zweifel an den Berechnungen der Flughafengesellschaft zur Entwicklung der Landeentgelte und zu den Passagierzahlen. Zudem fordern die Banken eine Zusage, dass es bis Ende 2010 keine Veränderungen in der Gesellschafterstruktur gibt. Der Bund als Miteigentümer der Flughafengesellschaft ist nach Tagesspiegel-Informationen bisher aber nur bereit, diese Zusage bis 2007 zu geben.

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