Berlin : Kleiner großer Bahnhof: Vier Gleise für eine Millionenstadt

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Wie kaum ein anderer Bau spiegelt der Bahnhof Zoo die Entwicklung der Stadt wider. Als eine von vielen Stationen auf der Stadtbahn 1882 für den Vorortverkehr eröffnet, erhielt er zwei Jahre später auch einen Bahnsteig für den Fernverkehr. Die Gegend um den Kurfürstendamm hatte sich zu einer attraktiven Wohnlage entwickelt; der Bedarf für einen Fernbahnhof war da.

Und die Stadt wuchs weiter. In den 30er Jahren war der Bahnhof wiederum zu klein geworden. Zu den Olympischen Spielen 1936 konnte ein Jahr zuvor die neue Halle für die SBahn eröffnet werden; die neue Fernbahnhalle wurde vor dem Krieg nicht mehr fertig. Erst 1955 erhielt sie ihre Verglasung, und 1957 wurde auch das Restaurant angefügt, Zoo-Terrasse genannt.

Zu diesem Zeitpunkt war der viergleisige Fernbahnhof für die West-Berliner bereits zum „Hauptbahnhof“ geworden. Zu Beginn der 50er Jahre hatte die DDR die im Westteil der Stadt liegenden Kopfbahnhöfe stillgelegt. Die Züge aus der DDR sollten nicht in den Westsektoren ihre Fahrt beenden. Jetzt lief der gesamte Fernverkehr über die Stadtbahn und den Bahnhof Zoo. Vorübergehend war er die einzige Fernbahnstation im Westteil, denn im Bahnhof Wannsee hielten von 1952 bis 1976 ebenfalls keine Fernzüge.

Die Reichsbahn investierte jedoch kaum noch etwas in den Bahnhof Zoo; das Gebäude verkam und wurde zum Treffpunkt von Drogensüchtigen und Prostituierten. Erst zur 750-Jahr-Feier der Stadt 1987 sah der Bahnhof wieder einmal frische Farbe. Zu Beginn der 90er Jahre wurde er dann grundlegend umgebaut – zum Einkaufszentrum mit Gleisanschluss. Jetzt ist seine Zukunft wieder ungewiss. kt

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