Klinikum Steglitz : Charité lehnt Privatisierung ab

Ärztlicher Direktor verärgert über Vorschlag von FU-Präsident Dieter Lenzen.

Amory Burchard
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Foto: Mike Wolff

Wird das Klinikum Steglitz teilweise privatisiert? Das jedenfalls hat der Präsident der Freien Universität, Dieter Lenzen, vorgeschlagen. Und er hat sein Konzept am vergangenen Dienstag dem Finanzsenator vorgestellt. Finanzsenator Ulrich Nußbaum habe das frühere Universitätsklinikum Benjamin Franklin (UKBF) besucht, „um sich einen Eindruck zu verschaffen, wie das Klinikum funktioniert“, sagte sein Sprecher Daniel Abbou dem Tagesspiegel. Inhalte des Gesprächs wollte er nicht kommentieren. „Wir sind aber für alle innovativen Ideen gerne zu haben.“

Keinesfalls jedoch sei es bei dem Besuch um die Schließung der Klinik gegangen. „Niemand will das UKBF schließen.“ Von der Charité werde lediglich ein „wissenschaftliches und wirtschaftliches Gesamtkonzept“ erwartet, wie sie ihr Defizit – allein 56 Millionen Euro im Jahr 2008 – in enger Zusammenarbeit mit dem landeseigenen Klinikkonzern Vivantes abbauen wolle, sagte der Sprecher des Finanzsenators.

Die Schließung drohte dem Klinikum Steglitz 2002. Nach massiven Protesten wurde stattdessen beschlossen, das UKBF und die Charité mit ihren beiden Standorten in Mitte und Wedding zu einer neuen Berliner Universitätsmedizin zu fusionieren – unter dem Namen Charité. Sie ist seit 2003 eine eigenständige Holding, zuvor gehörte das UKBF zur Freien Universität, die Standorte in Mitte zur Humboldt-Universität. Die Schließungspläne hatte Nußbaums Amtsvorgänger Sarrazin Anfang dieses Jahres wieder aufgegriffen.

Das Modell einer Teilprivatisierung des Klinikums Steglitz hatte Lenzen kürzlich im Tagesspiegel vorgestellt (FU-Beilage vom 11. Juli). Die Charité kranke an ihrer „schlichten Übergröße“. „Das Unternehmen auflösen?“, fragte Lenzen und plädierte für eine „dezentrale Verantwortung der Klinikdirektoren mit dezentralen Budgets und der Erlaubnis, Investoren zu beteiligen“. Jetzt plädiert Lenzen dafür, einen privaten Investor mit 49 Prozent am UKBF zu beteiligen. Er solle Geld in die Sanierung stecken, der Investitionsbedarf liege bei 200 Millionen Euro. Investieren müsse nicht zwingend ein Krankenhausbetreiber, es könne sich auch um einen Finanzinvestor handeln.

Die Charité hat Lenzens Vorschlag am gestrigen Sonnabend in scharfer Form zurückgewiesen. „Seine Aktivitäten hat er nicht mit dem Vorstand abgesprochen“, sagte Ulrich Frei, ärztlicher Direktor der Charité, dem Tagesspiegel. Auch Lenzens Vorstellung, dass man die beiden Nordstandorte Virchow-Klinikum und das Charité-Stammhaus in Mitte zusammenschließen und daneben den Campus Benjamin Franklin eigenständig betreiben könne, sei absurd. „Wir wundern uns über diesen Stil“, sagte Frei.

Die Sorgen der Steglitzer Kollegen könne er allerdings nachvollziehen. Tatsächlich stehe hinter der Forderung des Finanzsenators nach einem gemeinsamen Konzept der Charité und dem landeseigenen Klinikkonzern Vivantes auch die Drohung, notfalls einen Standort zu schließen. Der Senat hatte es vom Zustandekommen einer solchen Kooperation abhängig gemacht, ob gesperrte Gelder vor allem für die Sanierung des Charité-Bettenhauses in Mitte freigegeben werden. Falls es nicht zu der vom Senat gewünschten Kooperation mit Vivantes komme, könne das Klinikum Steglitz doch noch zur Disposition stehen, sagte Frei. Der Vorstand der Charité stehe aber nach wie vor zu dem Klinikum: „Wir sind der Ansicht, dass der Campus Benjamin Franklin universitärer Standort bleiben muss.“

Wenn es aus Kostengründen im mit Klinikbetten überversorgten Südwesten zu Schließungen kommen müsse, dann beim Auguste-Viktoria-Krankenhaus. Erhaltenswerte Abteilungen könnten ans Steglitzer Klinikum verlagert werden.

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