Kneipen sind lauter als erlaubt : Stunk und Lärm am Winterfeldtplatz

Im Schöneberger Kiez ärgern sich Anwohner zunehmend über rücksichtslose Autofahrer, Qualm aus Bars und Lärm auf den Straßen.

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Krach im Kiez. Einigen Anwohnern sind die Gäste der Bars rund um den Winterfeldtplatz in Schöneberg zu laut – der Bezirk sucht nach Lösungen.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Mike Wolff
05.10.2011 10:16Krach im Kiez. Einigen Anwohnern sind die Gäste der Bars rund um den Winterfeldtplatz in Schöneberg zu laut – der Bezirk sucht...

Eigentlich geht es um Kneipen mit lauten Gästen, die laute Autos fahren. Und Krach um Lärm ist Routine in Berlin, ständig werden am Verwaltungsgericht Fälle verhandelt, in denen es um Ruhestörung geht. Doch zwischen Nollendorf- und Winterfeldtplatz in Schöneberg ist man vorsichtig: In einem seit Monaten schwelenden Streit legen beide Seiten viel Wert auf Anonymität. „Zitieren Sie mich bitte nicht mit Namen“, sagen Anwohner. „Lassen sie meinen Namen draußen“, wünschen sich auch Wirte und deren Gäste. Die Bürgerinitiative „Lärmfreier Nollekiez“ hat die Bars „Xara“ und „Masha“ im Visier. Und es scheint, als hätten beide Seiten viel Respekt voreinander.

Sowohl „Xara“ als auch „Masha“ sind Orient-Bars, die erst kürzlich aufgemacht haben. Die Gäste trinken Cocktails und rauchen Sisha, jene arabischen Wasserpfeifen mit süßem Fruchttabak. Der Rauch zieht zuweilen drei Etagen hoch – und da geht der Ärger erst los.

„Es stinkt“, sagt ein Anwohner. „Schlimmer aber ist, dass die Gäste rücksichtslos sind. Ich habe 120 Dezibel gemessen – und das im dritten Stock.“ In der Maaßenstraße sollen sich junge Männer aus den Bars mit ihren aufgemotzten Autos ohrenbetäubende Rennen liefern, berichten andere Nachbarn. Anwohner seien diese nicht. Normaler Verkehrslärm liegt bei 75 Dezibel. Schwere Karossen sollen auch durch die Fußgängerzone in der Nollendorfstraße rollen. „In den 80er Jahren waren die Hausbesetzer hier, in den 90er Jahren die Drogenszene, doch die Leute sind unverschämt“, sagt ein Anwohner.

Mit „die Leute“ sind junge Männer zwischen 20 und 30 Jahren gemeint, viele von ihnen stammen aus Einwandererfamilien, weshalb einige Anwohner reflexartig davon sprechen, dass „deutsche Gesetze“ auf dem Spiel stünden. Die Anhänger der Bürgerinitiative selbst bemühen sich um Sachlichkeit, am Dienstag haben sie sich bei einer Sitzung im Rathaus Luft gemacht. Viele fordern seit Wochen mehr Verkehrskontrollen, mehr Streifen des Ordnungsamtes, mehr Druck auf die Betreiber der Bars. Die Betreiberin des „Xara“ wohnt selbst im Kiez und erklärt: „Ich mache die Musik leiser und bitte große Gästegruppen nach drinnen, damit es an den Tischen auf dem Gehweg nicht laut wird.“ Immer mal wieder hätten sich einzelne Anwohner beschwert, die Bürgerinitiative aber nicht. Außerdem: Der Kiez stehe für Gastronomie. Der Chef des „Masha“ sagt, er könne nicht jeden Gast kontrollieren. Auch in seinem Laden sitzen Männer mit breitem Kreuz friedlich neben schmalen Touristen.

Neben den Touristen kommen auch immer mehr Rockerbanden in den Kiez. Lesen Sie weiter auf Seite 2.

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