Berlin : Knobeln und köcheln

Der neue Preußen-Krimi taucht in die Freimaurerkreise des 18. Jahrhunderts ein

Anne-Dore Krohn

Von „Königsblau“ bis „Silbergrau“ hat der Hofkoch Honoré Langustier nicht nur scharf gekocht, sondern ebenso kombiniert: Sechs Kriminalfälle hat er im Auftrag des Preußenkönigs Friedrich II. gelöst. Zu Beginn von „Goldblond“ sitzt der Pensionär im Jahr 1778 in seiner Villa am Heiligen See, legt die Hände auf den gewölbten Bauch und langweilt sich.

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Aber nicht lange: Als Mitglieder der Freimaurerloge auf seltsame Weise ums Leben kommen, wird der kriminalistisch begabte Koch um Mithilfe gebeten. Und da Langustier bekanntlich die besten Gedanken bei der Herstellung von Zanderpastetchen und glacierter Rinderzunge kommen, wird wieder eine Menge gekocht. Tom Wolf schreibt mit „Goldblond“ seine eigene Tradition der Preußen-Krimis fort. Historische Orte, die Freimaurerei, die Sprache – alles ist wieder akribisch auf das 18. Jahrhundert zugeschrieben. Die Balance zwischen Informationen und Spannungsbogen gerät dabei manchmal ins Wanken. Manche Passagen sind für den historisch nicht übermäßig interessierten Leser einfach zu sehr mit Details überfrachtet. Andererseits hält sich der promovierte Literaturwissenschaftler Wolf so konsequent vom Glatteis historischer Ungenauigkeiten fern, dass auch „Goldblond“ als ein Reiseführer in die Welt des 18. Jahrhunderts gelten kann.

— Tom Wolf: Goldblond. Verheerende Torheit. Preußen- Krimi, Be.bra Verlag, Berlin. 279 Seiten, 9,90 Euro.

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