Berlin : Koalitionskrise: Ein Blitzstarter: Frank Steffel

Ulrich Zawatka-Gerlach

Der neue Mann heißt Frank Steffel. Er soll Vorsitzender der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus werden. Als Nachfolger von Klaus Landowsky. Vor einem Jahr, am 13. April 2000, hat Steffel zum ersten Mal von sich Reden gemacht, als er für die CDU die Generaldebatte zum Landeshaushalt eröffnen durfte. Das war ein Signal. Landowsky führte seine jungen Leute an die raue politische Wirklichkeit heran. "Steffel hätte das Zeug, mittelfristig die Fraktionsführung zu übernehmen", schrieb der Tagesspiegel damals. Der 35-jährige Jungunternehmer wird den Vorsitz nun kurzfristig übernehmen.

Ein Blitzstarter: Als Schüler trat er in die Junge Union ein, mit 23 Jahren war er Abgeordneter. Einer, der gern dazwischen ruft. Einer, der aus seinem Herzen keine Mördergrube macht. Einer, der gern mal ein Bier trinken geht. Den väterlichen Betrieb hat er zu einem expandierenden Unternehmen mit 350 Mitarbeitern gemacht. Raumausstattung en gros. Steffel ist viel unterwegs - in Deutschland, in den USA. Wirtschaftspolitik ist sein Spezialgebiet. Im März hat der forsche Nachwuchspolitiker den Vorsitz des einflussreichen, traditionell konservativen CDU-Kreisverbands Reinickendorf übernommen. Nach der Abgeordnetenhauswahl 1999 wurde Steffel zuerst Vize-Fraktionschef und wenig später auch stellvertretender CDU-Landesvorsitzender.

Steffel ist ein smarter Bursche. Und er hat sich gemausert: vom tiefschwarzen Jungunionisten zum flexiblen Regierungspolitiker. Für einen Spruch oder einen derben Witz ist er aber immer noch gut. "Ich bin eben ein lockerer Typ, kommunikativ und kumpelhaft", beschreibt Steffel sich selbst. Er sei völlig überrascht gewesen, als ihn der Regierende Bürgermeister und CDU-Landesvorsitzende Eberhard Diepgen am Sonnabend beim Wahlkongress der Jungen Union über den grünen Klee lobte. Steffel habe sein Vertrauen und seine Unterstützung. "Nanu", fragte sich Steffel. "Wann lobt Diepgen schon mal einen Parteifreund?"

Sofort revanchiert er sich. "Ich habe einen guten Draht zu Diepgen und stehe loyal zu ihm." Muss er auch, als künftiger CDU-Fraktionschef. Will er auch. Er sei ein Team-Arbeiter, wolle sein Unternehmen weiter führen und sei deshalb auf die gute Zusammenarbeit mit der Fraktionsführung angewiesen. "Wenn die CDU einen Vollzeit-Fraktionsvorsitzenden braucht, der alles allein macht, stehe ich nicht zur Verfügung", warnt Steffel. Mit dem CDU-Haushaltsexperten Alexander Kaczmarek, dem nachgesagt wurde, auch Fraktionschef werden zu wollen, hat er keine Probleme. "Mein Verhältnis zu Kaczmarek ist sachlich und unverkrampft."

Aber auch zu SPD-Leuten habe er teilweise ein "hervorragendes Verhältnis." Auch zu Klaus Wowereit, dem SPD-Fraktionsvorsitzenden? Steffel überlegt. Die Beziehung zu Wowereit sei unbelastet. "Ds ist sicher ein Typ, mit dem man auskommen kann." Mal sehen. Wowereit spottet gern über den CDU-Mann, spielt auf dessen Beruf an. "Das ist doch der fliegende Teppichhändler, so ein kleiner Landowsky." Wie beide miteinander auskommen, wird man wohl erst wissen, wenn Steffel zum Fraktionschef gewählt worden ist. Vielleicht im Mai, vielleicht im Juni. Dann soll nicht nur Landowsky abgelöst, sondern der gesamte CDU-Fraktionsvorstand neu gewählt werden. "Für den Rest der Wahlperiode bis 2004", kündigt Steffel an. Er will langfristige Planungssicherheit.

Am 11. Mai, wenn die CDU einen neuen Landesvorstand wählt, wird Steffel wieder als Partei-Vize kandidieren. Er wird ganz sicher gewählt. Außerhalb der CDU ist er noch weitgehend unbekannt. Innerhalb der CDU hat er schon an Statur gewonnen. Partei und Fraktion zusammen zu halten - das ist Steffels Credo. "Alle wichtigen Leute in der CDU müssen vernünftig zusammenarbeiten." In den vergangenen Wochen habe er gespürt, wie die Partei "unglaublich zusammenrückte. Wir Jüngeren müssen verantwortlich mit der CDU umgehen."

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