Kochend Türkisch lernen : "Ilave etmek heißt hinzufügen"

Bei Deniz Julia Güngör wird nicht nur geredet, sondern auch gekocht. Ihren Sprachkurs hat sie deswegen „Türkisch für Feinschmecker“ genannt.

Deniz Julia Güngör, 32, ist die Tochter einer Berlinerin und eines Istanbulers.
Deniz Julia Güngör, 32, ist die Tochter einer Berlinerin und eines Istanbulers.Foto: Mike Wolff

Frau Güngör, welches türkische Wort spricht sich mit vollem Mund besonders gut aus?

Oh, ich habe ein Lieblingswort, das ich ganz am Anfang, beim Phonetikunterricht, einführe. Es gibt einen Laut im Türkischen, das i ohne Punkt. Es spricht sich ähnlich wie das e hinten bei habe, das man fast verschluckt. Mein Lieblingswort beinhaltet gleich dreimal diesen Laut: kırıntı. Das lässt sich sehr lustig sprechen mit vollem Mund. Es bedeutet Krümel.

Bei Ihren „Türkisch für Feinschmecker“-Kursen lernt man kochend Türkisch und türkisch kochen.

Es ist ein Sprachkurs, aber ein handlungsorientierter. Der Unterschied zu normalen Kursen ist natürlich das Kochen und dass unser Hauptthema die türkische Küche ist. Ich habe überlegt, warum es für jemanden attraktiv sein könnte, Türkisch zu lernen. Die meisten kommen nun mal über das Essen mit der Sprache in Kontakt. Und wenn ich in einen Imbiss gehe oder in ein türkisches Restaurant, dann ist es natürlich schön, das Menü zu verstehen.

Na ja, die Speisekarten sind ja auch auf Deutsch.

Ja, aber türkische Begriffe gibt es trotzdem. Außerdem macht es nicht nur einen guten Eindruck, sondern es ist für den türkischen Kellner oder Imbissinhaber auch eine Form der Anerkennung und Wertschätzung, wenn jemand auf Türkisch bestellt.

Die freuen sich?

Ja natürlich. Selbst wenn das Türkisch nur für die Bestellung reicht.

Was lernt man zuerst in Ihrem Kurs?

Natürlich lernt man zunächst Sachen, die nicht unmittelbar mit Essen zu tun haben. Hallo, ich heiße, mir geht es soundso. Oder verschiedene Formen der Begrüßung. Die sind aber teilweise doch schon mit dem Thema Essen verbunden. Wie begrüße ich jemanden, wenn ich in ein Restaurant komme oder in einen Supermarkt?

Anders, als wenn ich jemanden auf der Straße treffe?

Natürlich, ganz anders.

In einem Restaurant zum Beispiel ...

… würde ich ein formelles iyi günler verwenden.

Guten Tag.

Genau. Im Supermarkt kann ich merhaba sagen, vor allem wenn ich da häufiger bin. Oder kolay gelsin, es möge leicht fallen.

Wenn man in den Supermarkt geht?

Ja, zum Beispiel wenn jemand gerade Dosen ins Regal räumt und ich ihn gern etwas fragen möchte. Wo sind eigentlich die Nudeln? Dann kann ich durchaus mit kolay gelsin anfangen. Das ist eigentlich ein Wunsch, man kann es

aber auch als Begrüßung verwenden.

Wie hat man sich das Kochen auf Türkisch vorzustellen?

Wir machen eine sprachliche Vorbereitung, wir gehen die Rezepte durch und lernen dabei zum Beispiel Syntax und auch Zahlen. Was brauche ich und wie viel? Das ganze wiederholt sich, weil einige Produkte und Lebensmittel immer wieder vorkommen. Teilweise habe ich das absichtlich so gestaltet. Dann lernen wir natürlich Verben. Man muss dieses oder jenes machen.

Rühren, unterheben, anbraten …

Eines unserer Lieblingswörter ist doğramak, zerkleinern, in jeglicher Variante. Küp küp doğramak, würfeln. Dilim dilim doğramak oder küçük küçük doğramak, in Scheibchen oder ganz ganz klein schneiden. Und ilave etmek,was hinzufügen heißt. Man muss immer ziemlich viel hinzufügen.

Und Sie behalten den Überblick.

Wir teilen ein, wer was zubereitet, meistens sind ein bis zwei Personen zusammen für ein Gericht zuständig. Die sind dann für das Essen verantwortlich, aber ich stehe natürlich bei Fragen zur Verfügung und mache auch mit. Am Anfang ist die Konversation auf Deutsch, aber langsam wird mehr und mehr Türkisch benutzt. Während eines gesamten Anfänger-Kurses wird ein ganzes Menü gekocht, von Vorspeisen, Salaten und Suppen bis zu Nachspeisen.

1 Kommentar

Neuester Kommentar