Berlin : Kochstraße: Jetzt schalten sich Dutschkes Söhne ein

„Umbenennung ist eine historische Chance“. Bei Pro & Contra sind 81 Prozent der Anrufer dagegen

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Nun haben sich Rudi Dutschkes Söhne in die Debatte um die Umbenennung der Kochstraße in RudiDutschke-Straße eingeschaltet. In einem offenen Brief an die CDU-Fraktion des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg schreiben Rudi-Marek und Hosea-Che Dutschke, die Umbenennung sei „eine historische Chance, diese Kluft zwischen den einstigen politischen Gegnern zu überbrücken“. Zudem wehrten sie sich gegen die von der Union geäußerte Kritik, ihr Vater habe die Studentenbewegung radikalisiert. Die gesellschaftliche Stimmung gegen Studenten habe diese radikalisiert. Dagegen sagt der CDU-Abgeordnete Kurt Wansner: „Dutschke war Teil der Gewalt.“

Die Frage, ob es in Berlin künftig eine Rudi-Dutschke-Straße geben wird, wird Thema der nächsten Bezirksverordnetenversammlung (BVV) des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg am 26. Januar 2005 sein. Rein rechnerisch ist die Umbenennung nur eine Formsache: Für die nötige Mehrheit von 28 Stimmen reicht der PDS-Fraktion, die den Antrag unterstützt und die in der 55-köpfigen BVV 17 Sitze hat, ein Partner. Die Sozialdemokraten haben 15 Mandate, die Grünen 13 Sitze. SPD, unter Vorbehalten, und Grüne können sich eine Dutschke-Straße grundsätzlich vorstellen, einen Kompromiss neuerdings aber auch – vornehmlich aus Kostengründen. „Ob es die Kochstraße sein wird, wird man sehen“, sagt etwa Riza Baran (Grüne), Vorsteher der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) von Friedrichshain-Kreuzberg. Fast wortgleich äußerte sich gestern PDS-Fraktionschef Knut Mildner-Spindler.

Fraktionsübergreifend berichten die Politiker von einem großen Bürger-Interesse an der Diskussion. Riza Baran sagt, er habe in der vergangenen Woche „hunderte E-Mails“ bekommen. Eine Tagesspiegel-Abstimmung verzeichnet eine sehr hohe Beteiligung. Ergebnis des Pro & Contra: 81 Prozent stimmten dagegen, die Kochstraße umzubenennen.

Die Parteien wollen die unterschiedlichen Stimmungen nutzen. So will die CDU Flugblätter an die Anwohner verteilen und eine Infoveranstaltung abhalten. Die PDS denkt laut Fraktionschef Mildner-Spindler über einen „öffentlichen Infoabend“ zu Rudi Dutschke nach. mne

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