Berlin : König der Kekse

Im Jubeljahr gibt es Friedrich II. zum Mitnehmen: auf Schlipsen, Lesezeichen, Manschettenknöpfen – und als Ausstechförmchen samt Backrezept. Eine Idee des Jungunternehmers Philipp Berief.

von

Sein Hut, der hat drei Ecken, doch das ist an dem auf die Umrisse reduzierten Bildnis nur zu erahnen. Die Schleife an der Krempe aber, dazu das Profil mit der energisch vorspringenden Nase lassen keinen Zweifel aufkommen: Das ist der Alte Fritz. In ungewöhnlicher Manier – knapp zehn Zentimeter hoch, aus rotem Kunststoff, abwaschbar. Royalisten können sich die Majestät ins Bücherregal stellen, Schöngeister sich an dem aufs Äußerste reduzierten Design erfreuen, Touristen dankbar das erfreulich handliche Preußen-Souvenir in den Koffer packen – und Hobbybäcker beherzt den Teig ausrollen. Denn seine Urfunktion findet dieser König als Ausstechform beim Plätzchenbacken.

Der 300. Geburtstag Friedrichs II. hat auch den Devotionalienmarkt mit allerlei friederizianischen Produkten beflügelt, allein der Internet-Museumsshop zur „Friederisiko“-Ausstellung im Neuen Palais zu Potsdam bietet 85 Artikel: Bücher und Büsten, Manschettenknöpfe und Schlipse, Lesezeichen und CDs, dazu sogar eine Nachbildung des königlichen Spazierstocks, der im Original silberne Griff ist nun aus „glanzverchromtem Kunststoff-Acetat“ gefertigt. Und neuerdings gibt es auch den König der Kekse, den „Cookie Cutter“ samt Backrezept und Kurzbiografie in Deutsch und Englisch.

Entworfen hat die königliche Ausstechform der 46-jährige Philipp Berief. Sie ist das neueste Produkt seiner im Hansaviertel residierenden Ein-Mann-Start-upFirma „phil goods“, soll zugleich eine Reihe von Ausstechern mit den Porträts historischer Berühmtheiten eröffnen. Goethe gibt es schon, an Bach und Luther wird gearbeitet. Bislang hatte sich Berief auf Architektur konzentriert, führt mittlerweile Bauwerke quer über den Globus im Sortiment, darunter Berliner und Stuttgarter Fernsehturm, Kölner Dom, die Münchner und die Dresdner Frauenkirche, Big Ben, Eiffel-Turm, Freiheitsstatue, Sydneys Oper und sogar, als Bauwerk der Natur, das Matterhorn. Demnächst im Angebot: die Kleine Meerjungfrau aus Kopenhagen.

Angefangen hatte es vor fünf Jahren, als Berief, ursprünglich Psychologe, sich beruflich neu orientieren wollte, dabei auf seine Leidenschaft fürs Backen besann – und auf die Frage kam, warum man beispielsweise zu Weihnachten immer nur Sterne ausstechen muss. Warum nicht beispielsweise das Brandenburger Tor? Mit dem Langhans-Bau fing alles an, mit einem am 3-D-Drucker gefertigten Modell, das Philipp Berief der auf Werkzeugbau und Spritzguss spezialisierten Firma India-Dreusicke in Marienfelde vorstellte. Dort fand man an der Keksform-Idee Geschmack, aber bevor das Spritzen der Türme und Tore rundlief, probierte man doch ziemlich lange hin und her. So musste auch ein Trick gefunden werden, dass sich etwa der Berliner Fernsehturm beim Abkühlen nicht verzieht und dann eher an Pisa erinnert.

Einen zweiten Partner fand Berief in den Mosaik-Behindertenwerkstätten in Kreuzberg. Dort erhalten die aus „lebensmittelechtem“ Kunststoff gegossenen Rohlinge den Feinschliff, werden verpackt, gelagert, versandt. Ein mittlerweile eingespielter Produktionsfluss, der ohne anfängliche Investitionszulagen kaum möglich gewesen wäre. Denn bevor mit einer Form der erste Keks ausgestochen werden kann, fallen mehrere tausend Euro Kosten für die Spritzwerkzeuge an.

Mittlerweile findet Berief sogar bereits Kunden in Spanien, Frankreich, den USA, Israel oder Australien. Seine Renner sind übrigens Freiheitsstatue und Eiffel-Turm, nicht das Brandenburger Tor – obwohl er doch die Tradition des Keksausstechens als typisch deutsch ansieht.

Aber die Produktreihe wäre zum Scheitern verurteilt, würden die Kekse nicht gelingen. Und daher hat Berief neben dem Rezept auch ein paar Kunstgriffe parat: Der Teig sollte möglichst kühl sein und die Form zwischen dem Ausstechen in Mehl getaucht werden. Und vor allem: Nicht etwa die ausgestochenen Teigformen zum Backblech balancieren, sondern den Teig gleich dort auf Backpapier ausrollen, ausstechen und das Drumherum entfernen. Sonst droht wieder Pisa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar