Berlin : Kohl prophezeit Euro-Einführung in Großbritannien

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Altbundeskanzler Helmut Kohl (CDU) hat bei einer Kundgebung in Lichterfelde zur Beteiligung an der Europawahl aufgerufen. Vor rund 500 Zuhörern auf dem Kranoldplatz beschrieb der CDUEhrenvorsitzende die Europäische Union als „Zukunft“ der Deutschen. Zweifler an der EU sollten sich fragen, wo die Deutschen stünden, wenn sie den Weg in die Union nicht gegangen wären. „Wir werden für einige Jahre des Übergangs auch hier Probleme haben“, sagte Kohl. Doch habe die europäische Vereinigung den Deutschen „Frieden in Freiheit“ gebracht; Berlin sei auf diesem Weg wieder Hauptstadt geworden.

Ein Publikum aus CDU-Mitgliedern und Leuten, die Kohl als Redner erleben wollten, beklatschte die fast dreiviertelstündige Rede des ehemaligen Bundeskanzlers. Kohl ordnete auf die ihm eigene Art „die Geschichte“ und wandte sich besonders an die jüngeren Zuhörer. Denen sagte er voraus, dass der Euro auf Dauer zur zweitwichtigsten Währung der Welt werde und dass in wenigen Jahren sich kaum noch jemand an die D-Mark erinnern werde. Er prophezeie, dass in absehbarer Zeit auch die Briten und die Schweizer den Euro einführen würden. Die Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt würden sich lösen – Arbeitsplatzprobleme seien auch vor Jahren schon angekündigt worden, als Spanien und Portugal der EU beitraten.

Die Erweiterung der Europäischen Union komme einer „Zeitenwende“ in der Politik, „vielleicht sogar in der Geschichte“ gleich, so Kohl weiter. Zum ersten Mal überhaupt existiere Deutschland „in gesicherten Grenzen“. Die jungen Leute würden erleben, „dass die Last der Geschichte sie nicht erdrücken muss“. Das sei der europäischen Einigung zu verdanken, die immer von Skepsis begleitet worden sei. 1982, Beginn seiner Amtszeit als Bundeskanzler, sei von der „Euro-Sklerose“ die Rede gewesen – inzwischen umfasse Europa 25 Staaten.

Das europäische Haus sei nun im Rohbau fertig, so Kohl. Nun komme es darauf an, es so auszubauen, dass die Bewohner den nötigen Platz hätten. Kohl betonte die Wichtigkeit von Visionen in der Politik und sagte, dass „die Idealisten die eigentlichen Realisten“ seien. Wenn er vor zehn Jahren auf demselben Platz behauptet hätte, der Euro würde in kurzer Zeit die D-Mark ersetzen, würden ihn die Zuhörer für verrückt erklärt haben. wvb.

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