Berlin : Komische Oper: Das Musiktheater bangt um den Spielbetrieb

Christian van Lessen

Auf der Bühne wurden Arien für "Elektra" geprobt, hinter der Bühne stritten sich Finanzstaatssekretär Hugo Holzinger und SPD-Haushaltsexperte Klaus Wowereit über Kaufverträge. Abgeordnete des Haushaltsausschusses saßen im Parkett und auf den Rängen, lauschten der Musik von Richard Strauss und wunderten sich über das, was sie kurz vor der musikalischen Kostprobe gehört hatten: Die Komische Oper sieht ihren Spielbetrieb gefährdet, weil ihre wichtige Seitenbühne abgerissen werden soll. Das Grundstück, auf dem der Bühnenteil steht, ist vom Land Berlin zur "Vermögensaktivierung" an den Investor Hanseatica HPE verkauft worden.

Die Abgeordneten hatte es gestern früh bei einer "Baurundfahrt" der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in das Musiktheater zwischen Linden, Glinka- und Behrenstraße verschlagen. Bis 2003 sollen nach der Landeshaushaltsplanung rund zehn Millionen Mark in den sanierungsbedürftigen Bau investiert werden, in diesem Jahr will die Bauverwaltung eine Gesamtplanung "unter Einbeziehung der Konsequenzen aus dem Grundstücksverkauf" entwickeln.

Denn die Hanseatica HPE will mit ihrer Lindengalerie-Gesellschaft die triste südliche Ecke Unter den Linden / Glinkastraße mit einem Büro-, Geschäfts- und Wohnhaus-Komplex bebauen; die Seitenbühne aber ragt wie eine Nase ins Baugelände und muss abgerissen werden, ebenso ein Verwaltungsgebäude der Oper Unter den Linden. Die Bautermine aber hängen vom Umbaukonzept für die Oper ab; die Seitenbühne müsste dann eventuell verdreht ins Gebäudeinnere verlegt werden, was Mitarbeiter der Oper für unsinnig halten.

Die Hanseatica HPE wiederum ist der Ansicht, dass die Verlagerung der Seitenbühne vom Musiktheater selbst ins Gespräch gebracht worden sei und schon umfangreiche Raumpläne vorlägen. Man wolle der Komischen Oper keinesfalls einen "Dolchstoß" versetzen. Über den Verkauf des Grundstücks mit der Seitenbühne habe es Einvernehmen mit der Senatskulturverwaltung und mit der Komischen Oper gegeben, versicherte auch Staatssekretär Holzinger den irritierten Abgeordneten. Intendant Albert Kost konterte allerdings umgehend, die Oper habe überhaupt nicht zugestimmt. Die Gespräche hätten im Streit geendet. Man habe die Premierentermine bis zum Jahr 2007 vereinbart, über den Umbau und seine Auswirkungen auf den Spielbetrieb müsse nun schell Klarheit bestehen, sonst "könnte es Probleme geben".

Man wolle sich die Grundstücksverträge jedenfalls sehr genau ansehen, kündigte der Abgeordnete Wowereit an, offenbar sei ein reines Vermögensgeschäft abgewickelt worden. Auch Vertreter des Vermögensausschusses kündigten gestern an, das Thema noch einmal auf die Tagesordnung des Parlaments zu bringen. Dem Vernehmen nach wird das gesamte Grundstücksgeschäft dem Land Berlin mehr als 50 Millionen Mark einbringen.

Während im Hintergrund Arien geschmettert wurden, brüteten etliche Abgeordnete über verwirrenden Grundstücksskizzen: Demnach gehört der Geländestreifen an der Glinkastraße dem Investor, das Kerngelände der Komischen Oper an der Behrenstraße ist wiederum Bundeseigentum, während ein breiter Streifen an der Straße Unter den Linden mit schmalerem Zugang zur Behrenstraße dem Land Berlin gehört. Der Finanzstaatssekretär allerdings betonte, noch sei gar nichts verkauft. Auf den Bereich Unter der Linden gebe es für den Investor eine Option und der Teil der Glinkastraße - mit der Seitenbühne - gehöre rechtlich weiterhin dem Land Berlin, weil der Kaufvertrag aufschiebende Wirkung habe - so lange, bis die Umbauten in der Komischen Oper geklärt seien.

Im Prinzip aber, erklärte der Finanzstaatssekretär, sei der Bund Eigentümer der Komischen Oper. Derzeit stimme sich die Finanzverwaltung mit dem Bund ab. Man wolle das Kerngrundstück der Komischen Oper eventuell im Tausch mit einem anderen Gelände erwerben.

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