Berlin : "Kompetenzzentrum Großsiedlungen": Berlin wird zum Plattenhändler

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Sie sahen sich zum Verwechseln ähnlich: Plattenbausiedlungen im Ostteil der Stadt. Noch vor einigen Jahren prägten eintönige Fassaden, langweilige Vorgärten und wenig Grün das Bild. Aber das ist Vergangenheit. Denn inzwischen zeigt sich die "Platte" in Hellersdorf, Hohenschönhausen, Lichtenberg und Marzahn von einer eigenen, unverwechselbaren Seite.

Der überwiegende Teil der insgesamt 270 000 Plattenbauwohnungen wurde von 1990 an saniert. Dabei wurden verschiedene Planungs- und Beteiligungsverfahren sowie neue Technologien erprobt. "Dieses Berliner Knowhow soll künftig vermarktet und Ländern Mittel- und Osteuropas angeboten werden", sagte gestern Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD). Zu diesem Zweck wird ein "Kompetenzzentrum Großsiedlungen" gebildet. Der Senat hat damit die Wohnungsbaugesellschaft Hellersdorf (WoGeHe) beauftragt. Sie wird in einer zweijährigen Anlaufphase das vorhandene Wissen und die Erfahrungen der verschiedenen Wohnungsunternehmen bei der Sanierung zusammentragen.

Im Informationspavillon "Baukasten" am U- Bahnhof Hellersdorf, können sich künftig Fachleute und interessierte Laien über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des industrieellen Bauens informieren. Gezeigt werden sollen kostensparende Methoden der Wärmedämmung sowie beispielsweise Verfahren, nach denen ein bewohntes Quartier nach fünf Tagen innen komplett saniert ist. Außerdem will man Kontakte zur Europäischen Union knüpfen, um Fördergelder für die Erneuerung von Plattenbausiedlungen in Mittel- und Osteuropa zu akquirieren. "Wir wollen diesen Ländern das Management, die Finanzierung und die rechtlichen Rahmenbedingungen für eine umfangreiche Modernisierung von Großsiedlungen vermitteln", sagt WoGeHe-Geschäftsführer Rudolf Kujath. Anfragen habe es dazu in letzter Zeit genügend gegeben. So wird demnächst ein Mitarbeiter der WoGeHe an die Warschauer Baubehörde delegiert.

Der Senat unterstützt den Aufbau des Kompetenzzentrums zunächst jährlich mit 250 000 Mark. Für Strieder bietet die Vermarktung des Berliner Knowhow "eine hervorragende Möglichkeit, in Mittel- und Osteuropa die städtebauliche und wirtschaftliche Entwicklung zu verknüpfen". Gleichzeitig sollen die Marktchancen von Unternehmen steigen. Der Senator hofft, dass aus dem Kompetenzzentrum in zwei Jahren ein eigenständiges Unternehmen hervorgeht, dass sich wirtschaftlich trägt.

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