• KONFLIKT BEI DER S-BAHN Kranke Lokführer und umstrittene Dienstpläne: Hauptsache zügig

KONFLIKT BEI DER S-BAHN Kranke Lokführer und umstrittene Dienstpläne : Hauptsache zügig

Auch gestern war der Krankenstand hoch. Am Abend wurde der Streit mit dem Fahrpersonal beigelegt

Sigrid Kneist

Die S-Bahn hat gestern den Konflikt mit ihren Zugführern um die Dienstpläne beigelegt. „Wir müssen so schnell wie möglich den sozialen Frieden im Unternehmen wiederherstellen“, hatte S-Bahn-Sprecher Gisbert Gahler gestern Nachmittag noch gesagt. Am Abend war es dann so weit: Der Betriebsrat, die Gewerkschaft Transnet, die Gewerkschaft der Lokführer und der Arbeitgeber einigten sich darauf, dass ab 1. Juli wieder die alten Dienstpläne eingeführt werden. Auch sollen soziale Härten vermieden werden, und es soll künftig auch wieder auf alleinerziehende Mütter oder Väter Rücksicht genommen werden. „Das ist ein phantastisches Ergebnis für die Lokführer“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Heiner Wegener. „Die Kollegen haben jetzt wieder ihre Wunschdienstpläne. Großartig.“

Der Streit um die neuen Dienstpläne, die zum Fahrplanwechsel am 28. Mai in Kraft traten, war am vergangenen Sonnabend eskaliert, als sich 60 Zugführer krankgemeldet hatten, so dass mehr als zehn Prozent der insgesamt 900 Fahrer aus gesundheitlichen Gründen ihren Dienst nicht antraten. Dies führte, wie berichtet, für die Fahrgäste am Wochenende zu erheblichen Beeinträchtigungen im S-Bahn-Netz. Auch gestern war der Krankenstand bei den Fahrern noch nicht wieder gesunken. Die S-Bahn schöpfte ihre Personalreserven aus und behalf sich zudem mit Mitarbeitern, die eigentlich nicht im Dienst waren und aus ihrer Freizeit geholt wurden, so dass Auswirkungen nicht zu spüren waren.

Vor allem war es bei dem Streit darum gegangen, dass die Fahrer möglichst wohnortnah ihre Dienste beginnen und beenden können. Dies war bei den neuen Dienstplänen oftmals nicht berücksichtigt worden. „Es konnte passieren, dass ein Fahrer aus Königs Wusterhausen seinen Dienst in Oranienburg beginnen und spätabends in Lichterfelde beenden muss“, sagte Andreas Schmidt, zuständiger Gewerkschaftssekretär bei Transnet. Bei zweistündigen Anfahrtszeiten seien die Ruhezeiten zwischen den bis zu elfstündigen Schichten nicht mehr ausreichend gewesen. Es sei ganz sicher nicht dazu aufgerufen worden, sich aus Protest krankzumelden, sagte Schmidt: „Aber der Job, der ständig eine erhöhte Aufmerksamkeit verlangt, geht an die Substanz.“

Ab 1. Juli sollen auch wieder die besonderen „Muttipläne“ gelten, wie sie im S-Bahner-Jargon heißen, sagte der Betriebsratsvorsitzende Heiner Wegener. Es gebe rund 90 Fahrer, die besondere soziale Verpflichtungen hätten, etwa auch weil sie Angehörige pflegten.

Bis zum Jahresende hatten die S-Bahner einen eigenen Haustarifvertrag mit einer 35-Stunden-Woche. Seit Januar gilt jedoch der Konzerntarifvertrag der Deutschen Bahn mit einer 40-Stunden-Woche auch bei der S-Bahn. Bis Ende Mai mussten sie dennoch nur die vorher geltende 35-Stunden-Woche arbeiten, wurden aber laut S-Bahn-Sprecher Gahler schon für die 40 Stunden bezahlt. Der alte Dienstplan müsse nun an die 40-Stunden-Woche angeglichen werden, sagte Wegener.

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