Berlin : Kongress gegen Graffiti geplant Experte fordert härteres Vorgehen gegen Sprayer

Klaus Kurpjuweit

In Berlin soll im Frühjahr ein Anti-Graffiti-Kongress stattfinden, auf dem Strategien gegen die Schmierereien diskutiert werden. Die Stadt sei eines der begehrtesten Ziele von Sprayern aus aller Welt, sagt der Vorsitzende des Vereins Nofitti, Karl Hennig. Er bestätigt damit Angaben des BVG-Vorstandes Thomas Necker. Am Wochenende nahmen Beamte des Bundesgrenzschutzes sechs Täter im Alter zwischen 16 und 24 Jahren aus der heimischen Szene fest. Die Beamten stellten vier Männer, die in der Nacht zu Sonntag eine Schallschutzwand am S-Bahnhof Südende besprühten. Noch am Ort sahen die Beamten zwei weitere Sprayer, die ebenfalls festgenommen wurden.

Die Polizei prüft jetzt, ob die jungen Männer weitere Taten begangen haben. Um Schmierereien einem Sprayer zuordnen zu können, fordert Hennig eine europaweit vernetzte Kartei. Jeder Sprayer hat seine eigene „Handschrift“. Die BVG besitzt eine der größten Dateien über solche Zeichen. Der Verkehrsbetrieb erwartet, dass zur Fußball-WM 2006 Sprayer aus aller Welt in Berlin aktiv werden. Erleichtert werde das durch die Billigfluglinien, sagt Hennig. Wer in der Szene etwas gelten wolle, müsse nach Berlin. „Berlin ist Graffiti“, laute das Motto. Erleichtert werde dies durch das lasche Vorgehen von Behörden und Justiz. Das Kammergericht hatte 1998 entschieden, dass Fassaden durch Besprühen nicht beschädigt würden, weil der Gebrauchswert nicht gemindert sei. Ähnlich habe ein Gericht in Dresden bei einem beschmierten Zug geurteilt, sagt Hennig. Dabei sei nachweisbar, dass Fassaden durch das Entfernen der Farbe mit chemischen Mitteln litten. Schärfere Gesetze gegen Sprayer, würden im Bundesrat von Schleswig-Holstein blockiert. Berlin hat sich für ein Graffiti-Bekämpfungsgesetz ausgesprochen.

In Skandinavien müssen nach Hennigs Angaben Eigentümer und Verwaltungen Schmierereien innerhalb von 24 Stunden beseitigen. Sonst droht eine Geldbuße. Täter, die wiederholt beim Sprayen erwischt werden, erwarteten drastische Strafen. Dadurch sei Helsinki, das einst als verschmierteste Stadt Europas galt, fast graffitifrei geworden. Hennig informiert sich derzeit in Skandinavien – und bereitet dort den geplanten Berliner Kongress vor.

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