Berlin : Konzertbesucher mussten laufen

BVG von Sperrungen beim Fußballderby in Köpenick überrascht

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Die Taktik der Polizei, am Sonntag mit einem großen Aufgebot Ausschreitungen beim FußballOberliga-Derby zwischen Union Berlin und dem BFC Dynamo zu vermeiden, hatte ungeahnte Folgen. Stundenlang war der Bus- und Straßenbahnverkehr in Köpenick unterbrochen. Betroffen war auch die S-Bahn. Hunderte Besucher des Köpenicker Jazzfestivals mussten von weit entfernten Haltestellen wie Adlershof zum Veranstaltungsort spurten. Kommentar eines Busfahrers: „Hier fährt jetzt nüscht mehr. Loof’n Se.“ Sogar die Musiker schleppten ihre Instrumente zu Fuß an.

Weil die Polizei auch Wasserwerfer bereitgestellt hatte, habe die BVG den Strom für die Oberleitung der Straßenbahn abschalten müssen, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Davon sei der Betrieb überrascht worden. Die BVG sei zwar auf Ersatzverkehr mit Bussen vorbereitet gewesen, mit einem solchen Ausmaß an Sperrungen habe man aber nicht gerechnet. Die Polizei begründete ihr Vorgehen mit dem besonderen Risiko bei diesem Spiel. Bei dem Derby habe man mit schweren Ausschreitungen rechnen müssen. Nach dem Spiel sei Platz für die 14000 abziehenden Zuschauer benötigt worden. Deshalb habe man mehrere Straßen auch für den Busverkehr einige Zeit gesperrt.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat eine Sondersitzung im Innenausschuss gefordert, in der besprochen werden soll, ob die Polizei genug Kräfte hat, auch während der WM 2006 gegen Hooligans vorzugehen. Die CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus forderte gestern gesonderte Haushaltsmittel für die Sicherheit der Fußballweltmeisterschaft.

Nach dem Spiel blieb es in der Nacht zu Montag ruhig. Fünf der 158 Hooligans, die die Polizei in der Nacht zu Sonntag festgenommen hatte, wurden einem Richter vorgeführt. Ab 18 Uhr wurden am Sonntag die Festgenommenen wieder entlassen. Wie berichtet, gab es in der Nacht vor dem Risikospiel eine großangelegte Razzia in der Friedrichshainer Disko „Jeton“. Es gab Hinweise, dass sich der harte Kern der Hooligan-Szene dort versammelt hatte. kt/tabu

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