Kostenlos in der Kita : Kinderbetreuung gibt es jetzt geschenkt

Bildungssenator Zöllner hat Kindertagesstätte der Charité besucht und eine frohe Botschaft mitgebracht: Ab 2011 ist auch das dritte Kitajahr gebührenfrei. Das Land kostet das jährlich 19 Millionen Euro.

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Auf der Vorschulbank. Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) genoss am Dienstagmorgen sichtlich die Diskussionen mit den Drei- bis Sechsjährigen der Kita im Virchow-Klinikum. Ab dem ersten Januar 2011 ist die Betreuung in Berlins Kindergärten in den drei Jahren vor der Einschulung gebührenfrei.
Auf der Vorschulbank. Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) genoss am Dienstagmorgen sichtlich die Diskussionen mit den Drei- bis...Foto: DAVIDS

Jürgen Zöllner kennt Saint-Exupérys „Kleinen Prinzen“ gut genug, um sofort zu erkennen, was das bunte, sich windende Etwas auf dem Papier vor ihm ist. „Eine Schlange“ verkündet Berlins Bildungssenator, doch die kleine Prinzessin neben ihm ist anderer Meinung. Das sei keine Schlange, sondern ein „S“ widerspricht die Vierjährige energisch. „Eine Schlange“, „Nein, ein S“ geht es hin und her, dann gibt der SPD-Politiker nach und stimmt den pragmatischen und offenbar ziemlich bildungsnahen Knirpsen in der Kita auf dem Campus Virchowklinikum seufzend zu: „Also gut, es ist ein S“.

Der Bildungssenator hatte sich die Kindertagesstätte der Charité am Dienstag nach Weihnachten zur Verkündigung einer zwar längst bekannten, aber dennoch frohen Botschaft ausgesucht: Ab dem 1. Januar 2011 ist nach dem ersten und zweiten nun auch das dritte Kitajahr vor der Einschulung gebührenfrei. Eltern zahlen nur noch den Essenszuschuss von 23 Euro monatlich. Wer ein Kind in diesem Alter hat, spare im Jahr durchschnittlich 680 Euro, bei zwei Kindern könnten es mehrere tausend Euro sein, verkündet ein gut gelaunter Bildungssenator: „Berlin zahlt für jedes kostenlose Jahr etwa 19 Millionen Euro, aber Bildung ist für die Zukunft von zentraler Bedeutung.“ Studien belegten, dass Vorschulbildung der Grundstein für Schul- und Hochschulbildung sei, sagt der Senator: „Wenn das so ist, dann muss Vorschulbildung kostenlos sein.“

Und so ficht Zöllner auch Kritik am gebührenfreien Kitabesuch nicht an, schon gar nicht, wenn sie von Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) kommt. Der warf Berlin kürzlich vor, es leiste sich auf Kosten der Geberländer des Länderfinanzausgleichs bildungspolitische Wohltaten. „Dafür spart Berlin in anderen Bereichen härter als Baden-Württemberg. Wir haben eben andere Schwerpunkte“, sagt der Senator.

Auch den Vorwurf, das kostenlose dritte Kitajahr entlaste vorwiegend den Mittelstand und diene weniger der Integration von Kindern mit Migrationshintergrund, weist Zöllner zurück. Er können nichts Schlechtes daran finden, wenn der Mittelstand entlastet würde, sagt er. Im Gegenteil, dabei schlage sein sozialdemokratisches Herz höher. Und dass sie nicht mehr zahlen müssten, sei ein ganz wichtiger Grund für Eltern mit Migrationshintergrund, schon ihre Dreijährigen in der Kita anzumelden – und sei es nur, damit sie besser Deutsch zu lernen.

Eine riesige Anmeldeflut erwartet Zöllner aber nicht, schon jetzt besuchen zwischen 89 und 93 Prozent aller Drei- bis Sechsjährigen eine Kita – pro Jahrgang sind das etwa 26 000 Kinder. Bundesweit ist das ein sehr guter Wert – und dennoch reichen die Plätze immer noch nicht aus.

Auch in der Charité-Kita gibt es viel mehr Aufnahmewünsche als Kapazitäten, sagt Leiterin Rosemarie Schulz-Hornbostel: „Nachdem die Schulkinder in diesem Jahr weg waren, konnten wir 20 Neue aufnehmen. 140 standen auf der Warteliste.“ Das liege auch daran, dass die Charité-Kita an jedem zweiten Wochenende und nachts geöffnet hat. „Der Bedarf an flexiblen Öffnungszeiten für Eltern, die rund um die Uhr und an Wochenenden arbeiten, ist groß“, sagt Schulz-Hornbostel. Nicht nur in der Charité, fügt Gudrun Heuser, in der Bildungsverwaltung für die Kita-Aufsicht zuständig, hinzu: „Deshalb brauchen wir dringend mehr ausgebildete Erzieher, denn es geht um eine pädagogisch anspruchsvolle Betreuung.“

Jürgen Zöllner kommentiert die steigenden Ansprüche ebenso wie die Frage, wann auch die Betreuung für Ein- und Zweijährige kostenlos werde, mit der Feststellung: „Jede gute Tat rächt sich.“ Und der Aufforderung: „Jetzt lassen sie uns doch erst mal das kostenlose dritte Kitajahr feiern.“ Sandra Dassler

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